Das bislang ausgesprochen positive europäische Konjunkturbild hat
zuletzt Risse davongetragen. Wie das Zentrum für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) in der vergangenen Woche bekannt gab,
ist das Stimmungsbarometer für den Euroraum im Juli deutlich
zurückgegangen. Während sich dabei die Einschätzungen für Italien
und Frankreich zum ersten Mal seit Oktober 2006 verschlechterten,
war mit Blick auf die Wachstumslokomotive Deutschland bereits das
z weite Minus in Folge zu verzeichnen.
erkennen liessen.
Woher kommen diese Erschöpfungserscheinungen, werden doch die
Konjunkturprognosen für das laufende Jahr beinahe im Monatsrhythmus
nach oben angepasst? Die gängige Einschätzung lautet,
man solle den ZEW-Index nicht überbewerten. Es handle sich
wahrscheinlich nur um eine technische Gegenbewegung auf die
Serie kräftiger Anstiege, die seit Anfang 2007 zu beobachten war. An
den guten Wachstumsaussichten würde sich hierdurch nichts ändern.
Auch wir wollen die jüngste Stimmungseintrübung nicht
dramatisieren – aber auch nicht ignorieren. Denn es ist schon
bemerkenswert, dass die befragten Analysten ausgerechnet bei
ihrem ersten Blick auf das Jahr 2008 (mit der Juli-Umfrage dehnt sich
die Reichweite des ZEW-Index auf den Beginn des Jahres 2008 aus)
von ihrer euphorischen Grundhaltung abrücken.
Nach unserer Einschätzung ist dies im Wesentlichen auf zwei
Faktoren zurückzuführen. Zum einen wird immer deutlicher, dass
die Finanzierungskonditionen im Euroraum restriktives Terrain
erreicht haben. Steigende Zinsen, sich ausweitende Kreditspreads,
hohe Rohstoffpreise und der aufwertende Euro erzeugen
konjunkturellen Gegenwind, der allerdings erst im nächsten Jahr seine
volle Wirkung in den realwirtschaftlichen Aktivitätsdaten entfalten wird.
Zum anderen zeigt sich, dass auch die weltwirtschaftlichen
Rahmenbedingungen zuletzt gelitten haben. An erster Stelle ist dabei
die Entwicklung in den USA zu nennen. Der kräftige Aufbau der
Lagerbestände in den Unternehmen sorgt dort zwar für einen
vorübergehenden Wachstumsschub. Dafür verliert aber der private
Konsum, der rund 70% der Wertschöpfung absorbiert, immer mehr
an Schwung. Offensichtlich wird das verfügbare Budget durch die
steigende Schuldenlast inzwischen so stark beschnitten, dass in
zunehmendem Masse nur noch die private Insolvenz als Ausweg
bleibt. Die grundlegenden Konditionsprobleme der US-Wirtschaft
werden daher im 2. Halbjahr 2007 wieder deutlicher zu Tage treten.
Auch mit Blick auf China – den globalen Wachstumsmotor
schlechthin – verändern sich die Vorzeichen. So dreht die
Zentralregierung an immer neuen Stellschrauben, um die ausufernde
Konjunkturdynamik einzudämmen. Die Summe aus Zinsanhebungen,
höheren Mindestreservesätzen, diversen steuerpolitischen
Eingriffen sowie der Aufwertung des Yuan werden über
kurz oder lang Wirkung zeigen und damit das Expansionstempo
d rosseln.
In Anbetracht dessen ist es kein Wunder, dass die Bewertung der
mittelfristigen Konjunktureinschätzung auch im Euroraum weniger
glanzvoll ausfällt als noch vor wenigen Monaten. Obgleich es derzeit
keinen Grund gibt, die Perspektiven für 2008 in düsteren Farben zu
zeichnen – die Risiken haben zweifelsohne zugenommen. Wie die
Entwicklung der vergangenen Woche eindrucksvoll bestätigt hat,
werden die Kurse AAA-gerateter europäischer Staatsanleihen von
diesem Umfeld überproportional profitieren.
Zum Download...