Japan auf dem Weg zur geldpolitischen Normalität

Nachdem die japanische Notenbank im Februar dieses Jahres angekündigt hatte, ihre Politik der quantitativen Lockerung schrittweise zu beenden, folgte am vergangenen Freitag das zweite Stadium der geldpolitischen Normalisierung: Mit der Erhöhung der »Base Rate« auf 0,25% ist die seit mehr als fünf Jahren andauernde Nullzinsphase offiziell vorüber.

Vorausgegangen war eine seit Mitte 2003 stetig an Schwung gewinnende wirtschaftliche Belebung, in deren Windschatten seit Ende 2005 auch die Deflation ihr Ende nahm. Auf Verbraucherebene steigen die Preise zwar nach wie vor nur moderat (Mai 2006: +0,5% gegenüber Vorjahr), aber auf Produzentenebene hat die Teuerung mit 3,3% (gegenüber Vorjahr) den stärksten Zuwachs seit Anfang der 80er Jahre erreicht!

Für die Anleihenmärkte kam der Zinsentscheid der Bank of Japan vor diesem Hintergrund nicht überraschend – im Gegenteil. Die dreimonatigen Euroyen-Futures hatten bereits im Vorfeld für das laufende Jahr zwei monetäre Straffungen eskomptiert und drei weitere für 2007. Darüber hinaus erreichten die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen (JGBs) mit 2,02% das höchste Niveau seit dem Jahr 1999.

Eine Fortsetzung dieses Ausverkaufs wäre für die internationalen Rentenmärkte ein ernst zu nehmender Risikofaktor, denn japanische Investoren – die weltweit grössten Gläubiger – bauten zuletzt nicht nur inländische, sondern in verstärktem Masse auch ausländische Anleihenbestände ab und beschleunigten damit den globalen Trend steigender Renditen.

Eine Verschärfung dieser Entwicklung wäre allerdings nur realistisch, wenn sich die übergeordneten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Japan weiter verbessern würden – womit nach unserer Überzeugung jedoch nicht zu rechnen ist. Ausschlaggebend dabei ist, dass die vorausblickenden Frühindikatoren – wie im »Rest der Welt« – ihre Höhepunkte bereits durchschritten haben.

So korrigierten die Finanzmarktteilnehmer wegen der massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten ihre Wachstumserwartungen kontinuierlich nach unten (Economy Watchers Outlook). Darüber hinaus schwächte sich die trendbestimmende Sechsmonatsveränderung des Composite Leading Indicators der OECD seit Jahresbeginn dreimal in Folge ab. Hinzu kommt, dass auch andere asiatische Industriestaaten, wie Südkorea oder Taiwan, zuletzt deutlich schwächere Stimmungsindikatoren zu beklagen hatten.

Es bestehen daher keine Zweifel: Die japanische Wirtschaft hat das Ende ihres mehrjährigen Aufschwungs erreicht – und steht am Beginn einer konjunkturellen Abkühlung! Das Zeitfenster für weitere monetäre Straffungen beginnt sich zu schliessen und die eskomptierten Leitzinserwartungen dürften in den nächsten Monaten wieder nach unten angepasst werden. Mittel- bis längerfristig werden die Refinanzierungssätze zwar steigen, aber langsamer und weniger stark als bislang von den Marktteilnehmern antizipiert. In der Folge hellt sich das fundamentale Umfeld für JGBs wieder auf und trägt damit auch in den USA und im Euroraum zu einer nachhaltigen Verbesserung der Rentenmarktperspektiven bei. Wir gehen daher davon aus, dass sich in den nächsten Monaten eine globale Aufwärtsbewegung der Anleihenkurse etablieren wird – Ende des Jahres dürften die Renditen deutlich unter ihren aktuellen Niveaus liegen.


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