Gespaltener Ausblick für die EUR-Rentenmärkte

Die weltweite Konjunktur-Euphorie hat in den letzten Wochen einen neuen Schub erhalten: In den USA kündigt sich für das laufende Quartal eine deutliche Wachstumsbelebung an – nach der Quasi-Stagnation zum Jahresanfang sollte damit die Wertschöpfung wieder in Höhe der inflationsneutralen Potentialrate (ca. 3,0%) zulegen. Gleichzeitig zeichnet sich für den Euroraum ein anhaltend robustes Expansionstempo ab.

Angesichts dieser Ausgangslage bleiben die Aussichten für die Rentenmärkte gespalten. Kurzfristig dürfte der Wachstums-Optimismus weiterhin dominieren. So hat in den USA die kräftige Rückführung der Lagerbestände zum Jahresanfang einen erheblichen Nachholbedarf erzeugt, der im 2. und 3. Quartal das Wirtschaftswachstum stützen wird. In diesem Umfeld ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Kapitalmärkte angesichts der inflationskritischen Äusserungen der Notenbankvertreter zwischenzeitlich sogar auf Leitzinserhöhungen durch die Fed einstellen. Parallel präsentiert sich für den Euroraum das aussenwirtschaftliche Umfeld nach wie vor freundlich. Hinzu kommt die relativ robuste Binnenkonjunktur (vor allem in Deutschland) – das Ende des Zinserhöhungszyklus der EZB sollte damit in den Augen vieler Beobachter zunächst ausser Sicht bleiben.

Längerfristig stellen sich die Konjunktur-Perspektiven jedoch weitaus weniger rosig dar. Die Aufstockung der Vorratsbestände in den USA ist lediglich ein temporäres Phänomen – zu schwer wiegen die strukturellen Belastungen beim privaten Konsum (Verschuldung, Immobilienmarkt- Rezession) und die nachlassende Gewinndynamik, die das Investitionswachstum nachhaltig dämpfen wird. Im Euroraum verdichten sich darüber hinaus die Signale, dass der Höhepunkt im Konjunkturzyklus durchschritten ist. So setzen nicht nur die offiziellen Frühindikatoren der OECD ihren Abwärtstrend fort – auch die Aktivitätsdaten der neuen Wachstumslokomotive Deutschland fielen zuletzt schwächer aus.

Vor diesem Hintergrund schätzen wir zwar das Risiko als relativ hoch ein, dass die Anleihenmärkte angesichts der ausgeprägten Leitzinsangst zunächst unter Druck bleiben. Mit Blick auf das zweite Halbjahr dürfte sich jedoch die Einsicht durchsetzen, wonach die weltweite konjunkturelle Abkühlung das künftige geldpolitische Geschehen bestimmt, was an den Rentenmärkten für deutlich sinkende Renditen sorgen wird.

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