Immer mehr US-Indikatoren auf Rezesionsniveau

In den USA ist die Inflationsrate im Januar auf 4,3% gestiegen, den dritthöchsten Wert in den vergangenen sechzehn Jahren. Gleichzeitig hat die für die US-Notenbank wichtige Kerninflationsrate (bei der die volatilen Nahrungsmittel- und Energiekomponenten ausgeklammert werden) in den letzten vier Monaten einen neuen Aufwärtstrend herausgebildet – mit 2,5% liegt sie inzwischen deutlich über der Obergrenze des inoffiziellen Zielkorridors der Fed von 1,5% bis 2,0%. Bedeutet diese Entwicklung, dass die Währungshüter künftig vorsichtiger agieren, wenn es um weitere Zinssenkungen zur Bekämpfung der Wachstumsschwäche geht?

Mitnichten, denn so unerfreulich die Teuerungsentwicklung auch ist – noch bedrohlicher sind die Konjunkturrisiken, wie die Daten der vergangenen Wochen belegen. So ist der Februar-Geschäftsklimaindex der Federal Reserve of Philadelphia erneut gesunken, obwohl er schon im Januar den grössten Rückgang seit sieben Jahren verzeichnet hatte. Mit einem Indexstand von -24,0 bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage befindet sich das Barometer inzwischen auf einem so niedrigen Niveau wie zuletzt am Beginn der Rezession im Jahr 2001. Noch kritischer werden die Zukunftsaussichten bewertet. Hier fiel der Erwartungsindex auf den tiefsten Stand der letzten siebzehn Jahre!

Aber nicht nur die Unternehmensumfragen lassen eine deutliche Eintrübung der Wachstumsperspektiven erkennen. Auch der breit aufgestellte »Leading Indicator« des Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board rutscht immer mehr ab. Mit einem Rückgang um 0,1% ist der Indikator im Januar zum vierten Mal in Folge gesunken – eine ähnliche Negativserie war letztmalig im Herbst 1990 während der damaligen Rezession zu beobachten. Die trendbestimmende Sechsmonatsveränderung sank auf annualisiert -4,0%, was gemäss Angaben des Conference Board einen ernstzunehmenden Hinweis auf eine bevorstehende oder sogar schon begonnene Rezession darstellt.

Wir sehen in diesen Daten deutliche Belege für unsere Einschätzung, dass der vom Immobilienmarkt ausgehende Konjunkturabschwung derzeit eine neue Dimension annimmt. Dabei ist vor allem die gleichzeitige Abschwächung des privaten Konsums und der Arbeitsmarktdynamik problematisch: Die zunehmenden Entlassungen schlagen sich unmittelbar in einer grösseren Kaufzurückhaltung bei den US-Bügern nieder. Darunter leiden insbesondere die gewichtigen Servicebranchen und die konsumnahen Dienstleistungsunternehmen werden gezwungen, ihr Personal weiter zu reduzieren. Die bislang auf den Bausektor und das verarbeitende Gewerbe konzentrierte Arbeitsmarktschwäche weitet sich folglich deutlich aus. Alles in allem kommt eine klassische Abwärtsspirale in Gang, die letztlich in einer milden Rezession endet.

In diesem Umfeld wird die US-Notenbank die derzeit anziehende Teuerung zwar ernst nehmen und auch immer wieder betonen, dass sie die Inflationsgefahren im Auge behält. Dominieren werden jedoch die Konjunkturrisiken und die Fed wird zur Erreichung des Ziels »Vollbeschäftigung« ihrem Mandat entsprechend die Konjunktur mit weiteren Zinssenkungen ankurbeln. Das Ende der geldpolitischen Lockerungen ist damit noch nicht abzusehen, folglich bleiben die Rentenmarktperspektiven sowohl in den USA als auch in der Eurozone positiv.

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