Der Konjunkturabschwung in der Eurozone
setzt sich im August fort
In der vergangenen Woche wurden erstmals Daten bekannt gegeben, die einen Einblick
gewähren, inwieweit die Wirtschaft der Eurozone unter den Verwerfungen an den
Finanzmärkten zu leiden hat. Die Ergebnisse fielen dabei auf den ersten Blick gemischt
aus. Auf der einen Seite ging das Geschäftsklima in Belgien – ein guter Gradmesser der
Aussenhandelsdynamik in der Währungsunion – nur leicht zurück und spiegelt damit
nach wie vor eine nur wenig verschlechterte Exportperspektive wider.
Auf der anderen Seite verzeichnete der ZEW-Index – der auf den
Konjunkturerwartungen der Finanzmarktbeobachter basiert – den stärksten Rückgang
seit einem Jahr. Wenn auch das Ausmass des Einbruchs nicht eins zu eins auf die
Realwirtschaft übertragen werden kann, so ist das Signal für die Richtung des
künftigen Konjunkturtrends jedoch klar: Angesichts des Vorlaufs von einigen Monaten
vor den Aktivitätsdaten steht eine weitere Abkühlung bevor.
Ein ähnliches Bild liefern die Einkaufsmanagerumfragen für die Industrie, die
erfahrungsgemäss am besten zur tatsächlichen Entwicklung korrespondieren, da sie
die konkrete Situation in den einzelnen Geschäftsfeldern der Unternehmen abfragen.
Hier ist die Einschätzung eindeutig: In allen Komponenten, wie z.B. bei der
Auftragsentwicklung, der Produktion oder der Beschäftigungssituation, wird die Lage
weniger optimistisch eingeschätzt als im Vormonat. Damit zeichnet sich selbst in
diesem Frühindikator, der am wenigsten von den zum Teil diffusen
Stimmungsschwankungen der vergangenen Wochen beeinflusst ist, eine spürbar
nachlassende Dynamik und somit eine Fortsetzung des bereits im letzten Jahr
begonnen Abwärtstrends ab.
Wir sehen mit dieser Entwicklung unsere Auffassung bestätig, wonach sich die
Wirtschaft der Eurozone – ungeachtet der aktuellen Turbulenzen – in einem
übergeordneten Abschwung befindet. Dass diese Abkühlung schon vor den jüngsten
Verunsicherungen begonnen hat, zeigen unter anderem die Details der ZEW-Umfrage.
Selbst wenn nur die Bewertungen der Finanzmarktbeobachter von Anfang August zur
Berechnung des Indikators herangezogen worden wären, hätte der Indikator einen
Rückgang ausgewiesen.
Unter diesen Voraussetzungen sind die Rahmenbedingungen für die europäischen
Rentenmärkte mittelfristig weiterhin freundlich: Der Anfang Juli begonnene
Abwärtstrend der Renditen dürfte sich parallel zum konjunkturellen Abschwung in
den kommenden Monaten fortsetzen.
Allerdings sind die kurzfristigen Risiken nach den volatilen Entwicklungen der
vergangenen Wochen unverändert hoch. In der Eurozone rentieren Anleihen mit
Laufzeiten von bis zu sieben Jahren immer noch – zum Teil deutlich – unter dem
vermeintlichen Leitzinsgipfel. Gleichzeitig setzt sich aber die Normalisierung an den
Geld- und Kapitalmärkten fort: In den USA ist die Rendite der zuvor als Fluchtpunkt
dienenden Treasury-Bills in den vergangenen Tagen wieder spürbar gestiegen.
Daneben beendete der Tagesgeldsatz der Fed am vergangenen Freitag zum ersten Mal
seit über einer Woche den Handel wieder auf dem Zielniveau von 5,25%, nachdem er
zwischenzeitlich bis unter 4,00% abgesackt war. Sollte sich diese Entspannung in den
nächsten Tagen fortsetzen, besteht die Gefahr, dass die Anleihenmärkte vorübergehend
unter Druck geraten – sowohl in den USA als auch in der Eurozone.
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