Mit den ersten offiziellen Schätzungen zur Entwicklung des
Wirtschaftswachstums der Eurozone im 4. Quartal 2007 steht nun fest: Der
konjunkturelle Abschwung ist kein drohendes Szenario mehr, er ist
Realität. Zwar mutet der Anstieg der Wertschöpfung mit 0,4% (gegenüber
Q3/2007) vordergründig solide an; dieses Ergebnis umfasst bislang jedoch
nur 78% des Bruttoinlandsprodukts der Mitgliedsstaaten und dürfte nach
unseren Berechnungen am Ende auf magere 0,3% nach unten korrigiert
werden.
Aber selbst wenn es bei 0,4% bliebe, läge die Expansionsdynamik unter der
Potentialrate (0,5% pro Quartal) – zum zweiten Mal innerhalb der letzten
drei Quartale. Mehr noch, im Vergleich zum Vorjahr ist die Wachstumsrate
mit 2,3% auf einen zweijährigen Tiefststand gesunken, Tendenz weiter
fallend!
Besorgniserregend ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil sich die
drei grössten Mitgliedsstaaten als Wachstumsbremsen erwiesen haben – in
aller Regel gibt dieses Trio die Richtung für die übrigen Länder vor.
Deutschland und Frankreich konnten ihre Wirtschaftsleistung nur um 0,3%
ausdehnen, in Italien dürfte es sogar zu einem Rückgang von 0,2%
gekommen sein. Und selbst diese enttäuschenden Ergebnisse waren nur
aufgrund eines rechnerischen Effektes möglich, der die Statistiken
künstlich nach oben hievte. So hat sich die Importnachfrage zuletzt
deutlicher abgeschwächt als die (gleichfalls nachlassenden) Exporte. Der
Aussenhandelsüberschuss ist folglich weiter gestiegen und trieb damit die
ausgewiesene Expansionsrate in die Höhe. Nachhaltig ist dieses
»Wachstum 2. Klasse« allerdings nicht, vor allem gehen hiervon keine
positiven Impulse auf die Inlandskonjunktur aus!
Ohnehin bleibt die Binnennachfrage die Achillesferse der Eurozonen-
Konjunktur. Auch wenn alle Hoffnungen auf einem Anspringen des
Konsums ruhen, das rückläufige Verbrauchervertrauen der letzten Monate
spricht eine klare Sprache: In Erwartung einer Abkühlung des gesamtwirtschaftlichen
Umfeldes werden Ausgaben lieber aufgeschoben und
stattdessen die Sparanstrengungen verstärkt. Wir gehen nicht davon aus,
dass sich an diesem Verhaltensmuster kurzfristig etwas ändert und
erwarten daher auch für 2008 eine relativ schwache Konsumnachfrage.
Das gleiche Schicksal ist nach Massgabe sämtlicher Frühindikatoren den
wichtigsten Handelspartnerländern beschert. Sowohl in Grossbritannien
und den osteuropäischen Staaten als auch in weiten Teilen Asiens nimmt
die Konjunkturdynamik ab – von den USA ganz zu schweigen. Die
Weltwirtschaft geht somit unruhigen Zeiten entgegen, was die
exportabhängigen Staaten der Eurozone im weiteren Verlauf des Jahres
deutlich zu spüren bekommen werden. Die Hoffnung auf eine Abkopplung
ist daher 2008 genauso vergebens wie in den vergleichbaren
Phasen der Jahre 2001-2002 oder 2003-2004.
Das schwache Wachstum im 4. Quartal 2007 sollte demnach nicht als
Ausreisser gewertet werden, sondern als Teil eines übergeordneten
Abschwungs, der das gesamte Jahr 2008 prägen dürfte. Nach unseren
Prognosemodellen wird das Expansionstempo deutlich unter die
Potentialrate fallen, mit entsprechend positiven Folgen für das
Inflationsklima. Auch wenn die Rentenmärkte nach der Rallye der letzten
Wochen eine Verschnaufpause einlegen – die mittelfristigen Ertragsperspektiven
europäischer Staatsanleihen bleiben ausgesprochen günstig!
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