Der konjunkturelle Gegenwind wird stärker!
Deutschland bleibt derzeit das Land der Superlative. Nicht nur, dass die Stimmung so
gut ist wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Auch die realwirtschaftlichen
Aktivitätsdaten müssen keinen Vergleich scheuen, schliesslich expandierte das
Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal stärker als in jedem anderen G7-Staat! Darüber
hinaus ist die Zahl der Arbeitslosen binnen 12 Monaten um 536.000 gesunken, eine
15-jährige Rekordmarke!
Vorbei sind die Zeiten, da jede konjunkturelle Belebung nur als Vorbote des nächsten
Abschwungs angesehen wurde. Inzwischen ist das Vertrauen in die Stärke der
deutschen Wirtschaft sogar schon wieder derart ausgeprägt, dass die unvermeidliche
Abkühlung des Jahres 2007 nur als gesundes »Durchschnaufen« gewertet wird, bevor
sich der Aufwärtstrend 2008 mit neuer Dynamik fortsetzt.
Wer allerdings zu weit vorausblickt, gerät leicht ins Straucheln. Denn während die
deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr von einer beispiellosen Abfolge von
Sonderfaktoren (Fussball-WM, Vorzieheffekte der MwSt-Erhöhung) profitiert, hat im
Rest der Welt bereits ein konjunktureller Richtungswechsel eingesetzt. Allen voran in
den USA drehen die Zeichen mittlerweile auf Sturm. Dabei konzentrieren sich die
schlechten Nachrichten längst nicht mehr nur auf die Bau- und Immobilienbranchen.
Wie das Institute for Supply Management am vergangenen Freitag bekannt gab, sank
der richtungsweisende Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im
November zum ersten Mal seit dem Frühjahr 2003 wieder unter die Expansionsschwelle
von 50,0 Punkten.
Offenkundig spüren die Unternehmen, dass die Privathaushalte trotz der massiv
gesunkenen Energiepreise und des hohen Beschäftigungsstandes ihre Konsumausgaben
nicht mehr im gewohnten Masse ausweiten können. Die Folge sind
schrumpfende Neuaufträge, rückläufige Produktionsvolumen und steigende Lagerbestände.
In Anbetracht dessen ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Unternehmen
dazu übergehen werden, Arbeitsplätze abzubauen. Spätestens dann wird die USNotenbank
von ihrem restriktiven geldpolitischen Kurs abrücken und beginnen, die
Zinsen zu senken.
Auch in Japan verdüstern sich die konjunkturellen Perspektiven. Die Stimmung in der
Industrie ist auf einen 1½-jährigen Tiefststand gesunken, der seit vier Jahren
anhaltende Rückgang der Arbeitslosenquote ist vorerst gestoppt. Darüber hinaus
zeigen die Preisstatistiken, dass die Deflation noch immer nicht vorüber ist. Insofern
dürfte die Bank of Japan die ursprünglich für Dezember geplante Zinserhöhung auf
unbestimmte Zeit verschieben.
Der Euroraum kann sich den negativen globalen Vorgaben bislang nur wegen der
Sondersituation in Deutschland entziehen – die allerdings am 31.12.2006 endet. Im Jahr
2007 trifft die nachlassende Exportnachfrage frontal auf eine spürbar schwächere
Binnenkonjunktur. Auch wenn das »Straucheln« nicht in einen »Sturz« mündet, das
Konjunkturklima wird sich in den nächsten 12 Monaten erheblich verschlechtern! Wir
gehen daher nach wie vor davon aus, dass die EZB die Refinanzierungssätze 2007 nicht
weiter anheben wird; die Rentenmärkte dürften sich zwischenzeitlich sogar auf
sinkende Leitzinsen einstellen. In Anbetracht dessen bewerten wir die fundamentalen
Perspektiven für die Anleihenmärkte klar positiv!
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