Nicht nur die Euro-Aufwertung belastet den Konjunkturausblick

Mit dem Einbruch des ZEW-Konjunkturbarometers für Deutschland hat sich die Stimmung an den Rentenmärkten deutlich aufgehellt. Es setzt sich immer mehr die Ansicht durch, dass die Konjunkturdynamik offensichtlich weniger robust ist als bislang von vielen angenommen. So wird in der Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar seit Jahresanfang von über 8,0% mittlerweile eine ernste Gefahr für die Exportwirtschaft gesehen.

Sicherlich stellt die jüngste Wechselkursentwicklung eine nennenswerte Belastung für die Wirtschaft im Euroraum dar – nach unserer Einschätzung ist es aber nicht die einzige und auch nicht die wichtigste. Von grösserer Bedeutung sind vielmehr zum einen die monetären Rahmenbedingungen insgesamt, bei denen neben dem Aussenwert der Währung insbesondere die Zinsentwicklung entscheidend ist. Hier hat sich die Lage in den vergangenen Monaten deutlich stärker eingetrübt: Exemplarisch sei auf den Anstieg der Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von über 100 Bp seit September letzten Jahres verwiesen.

Zum anderen spielt das weltweite Konjunkturklima eine herausragende Rolle. In den USA ist immer deutlicher zu erkennen, dass die Immobilienmarktkorrektur – auf die schon seit langem gewartet wurde – inzwischen in Gang gekommen ist. Der Bereinigungsprozess befindet sich jedoch erst am Anfang. Als Folge der langen Wirkungsverzögerungen, mit denen die Zinserhöhungen die Immobiliennachfrage dämpfen und die negativen Vermögenseffekte den Konsum bremsen, wird das Wirtschaftswachstum bis weit ins nächste Jahr belastet.

Aber auch die wirtschaftliche Expansionsdynamik bei anderen wichtigen Handelspartnern nimmt ab. So ging im April in Japan mit den Konjunkturerwartungen der Finanzmarktbeobachter ein massgeblicher Frühindikator zum zweiten Mal in Folge zurück. Zusammen mit den Signalen aus Taiwan und Südkorea zeichnet sich damit auch in Asien ab, dass der Höhepunkt im Konjunkturzyklus gerade durchschritten wird.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen sehen wir in der jüngsten Euro- Aufwertung nur einen untergeordneten Belastungsfaktor für die Wirtschaft im Euroraum. Selbst wenn sie sich in den kommenden Monaten nicht fortsetzt – die Wachstumsdynamik wird vor dem Hintergrund des weltweit nachlassenden Rückenwindes weiter an Schwung verlieren. Die Früh- und Stimmungsindikatoren werden in der Folge nicht mehr zunehmen, sondern in einen Abwärtstrend einschwenken. Bereits am kommenden Mittwoch sollte der IFO-Geschäftsklimaindex mit dem ersten Rückgang seit sechs Monaten einen schwindenden Optimismus erkennen lassen.

Die Rentenmärkte befinden sich damit gegenwärtig inmitten der Trendwende. Die zuletzt stärker in den Vordergrund getretenen Inflationsängste werden in Anbetracht der abnehmenden Wachstumsdynamik wieder in den Hintergrund gedrängt. Im Hinblick auf die geldpolitische Ausrichtung der EZB dürfte damit die Angst vor umfangreicheren Leitzinsanhebungen der Diskussion über eine Pause im Zinszyklus weichen. Die Anleihenrenditen werden in diesem Umfeld den gerade begonnenen Abwärtstrend in den nächsten Monaten fortsetzen.


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