Kräftiges Wirtschaftswachstum im 4. Quartal
Nachdem das japanische Wirtschaftswachstum im
2. und 3. Quartal des vergangenen Jahres quasi zum
Erliegen gekommen war, weist die BIP-Statistik für
das Schlussquartal mit annualisiert +3,7% ein unerwartet
kräftiges Plus aus. Als Hauptwachstumstreiber
entpuppte sich dabei neben den Anlageinvestitionen
erneut der Aussenhandel (vgl. Abbildung 1).
Abbildung 1: Aussenhandel und Investitionen als
Wachstumstreiber im 4. Quartal!

Quelle: Economic & Social Research Inst., BANTLEON BANK AG
In Anbetracht dieses guten Ergebnisses stellt sich
die Frage, ob die von den offiziellen Frühindikatoren
seit Längerem angekündigte Schwächephase
bereits vorbei ist und ob die zweitgrösste Volkswirtschaft
der Welt von den Rezessionstendenzen in
den USA im Grossen und Ganzen unberührt bleibt.
Kann eine robuste japanische Konjunktur im Zusammenspiel
mit einer stabilen Entwicklung in den
übrigen asiatischen Ländern möglicherweise sogar
ein wirksames Gegengewicht zur Krise in den Vereinigten
Staaten bilden?
Bei den Frühindikatoren dominieren nach wie vor
die Warnsignale
Ein Blick auf die Stimmungsindikatoren liefert hinsichtlich
des künftigen Konjunkturtrends in Japan
unterschiedliche Signale. Zum einen spricht der immer noch vorhandene Optimismus in der Einkaufsmanagerumfrage
für eine Fortsetzung der
relativ robusten Wachstumsdynamik (vgl. Abbildung
2).
Abbildung 2: Frühindikatoren liefern für den
kurzfristigen Ausblick widersprüchliche Signale!

Quelle: METI, ESRI, Nomura, BANTLEON BANK AG
Zum anderen blicken die Unternehmen in ausgewählten
konjunktursensiblen Branchen von Monat
zu Monat skeptischer in die Zukunft. Der entsprechende
»Economy Watchers«-Index des Statistikamtes
sank im Januar auf den tiefsten Stand seit über
fünf Jahren und kündigt damit eine deutliche
Wachstumsverlangsamung an (vgl. Abbildung 2).
Einen kritischen Ausblick liefert daneben der »Leading
Indicator« der OECD. Ungeachtet der jüngsten
Stabilisierung zeichnet er wegen seines weiten Vorlaufs
vor der Realwirtschaft von einem Dreivierteljahr
und seiner immer noch negativen Sechsmonatsveränderung
zumindest für das erste Halbjahr
2008 eine nachlassende Wachstumsdynamik vor.
Nimmt man also in einem ersten Schritt allein die
Früh- und Stimmungsindikatoren als Orientierung
für den mittelfristigen Wachstumsausblick,
dominieren nach unserer Einschätzung weiterhin
die Abschwungssignale. Aber neben dieser »technischen
« Sichtweise mahnt auch eine detailliertere
Analyse der einzelnen gesamtwirtschaftlichen
Nachfragekomponenten (Investitionen, Konsum,
Aussenhandel) zur Vorsicht.
Sinkende Unternehmensgewinne belasten die
Investitionsnachfrage
Bei den Anlageinvestitionen – einem der beiden
Wachstumstreiber im 4. Quartal – deutet vor allem
das rückläufige Ertragswachstum auf eine grössere
Zurückhaltung hin: Mit -0,7% wies das Finanzministerium
für das 3. Quartal erstmals seit knapp fünf
Jahren einen Rückgang der Unternehmensgewinne
aus, nachdem in den vorangegangenen 2½ Jahren
noch Steigerungsraten von durchschnittlich 10,0%
zu verzeichnen waren.
Mit Blick auf die nächsten Monate spricht eine ganze
Reihe von Faktoren für eine Fortsetzung des
jüngsten Negativtrends. Erstens stellen die gestiegenen
Rohstoffkosten nach wie vor eine grosse Belastung
dar. Zweitens kommen die Margen in Anbetracht
der weltweit schwächelnden Nachfrage unter
Druck und drittens verschlechtert die seit Mitte
letzten Jahres zu beobachtende Aufwertung des
japanischen Yens die Bilanz der Unternehmen.
Abbildung3: Die Investitionsdynamik wird
weiter nachlassen!

Quelle: ESRI, BANTLEON BANK AG
Vor diesem Hintergrund werden die Gewinne nach
unserer Einschätzung weiter zurückgehen. Für die
Investitionsnachfrage, die in grossem Masse von
der Gewinnentwicklung abhängig ist, rechnen wir
entsprechend mit Enttäuschungen in den kommenden
Quartalen (vgl. Abbildung 3). Das gute
Ergebnis des 4. Quartals werten wir daher als einen
Ausreisser im übergeordneten Abwärtstrend.
Wachstumsimpulse vom Aussenhandel werden
kleiner
Daneben gerät die zweite Säule des Wirtschaftswachstums
im 4. Quartal – der Aussenhandel –
zunehmend ins Wanken. Zum einen dürfte die
japanische Wirtschaft in besonderem Masse durch
die Rezession in den USA belastet werden. Wir
hatten bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass
die grösste Volkswirtschaft der Welt nach wie vor
den wichtigsten Handelspartner darstellt (gemessen
am Aussenhandelssaldo, vgl. unseren Kommentar
vom Juni 2007). Die schon erwähnte Yen-
Aufwertung gegenüber dem US-Dollar von rund
15% im letzten halben Jahr verschlechtert dabei die
Exportperspektiven in den Dollar-Raum zusätzlich.
Abbildung 4: Der japanische Export kommt nicht
nur durch die Rezession in den USA unter Druck!

Quelle: OECD, ESRI, BANTLEON BANK AG
Zum anderen lassen aber auch die Impulse aus den
unmittelbaren Nachbarländern sukzessive nach.
Prominentes Beispiel ist an dieser Stelle China.
Nicht nur, dass die dortigen Behörden immer deutlicher
versuchen, die überbordende Wachstumsdynamik
einzubremsen – inzwischen zeigen sich auch
in den Frühindikatoren ernst zu nehmende Hinweise
für eine Abkühlung. Die exportabhängige japanische
Volkswirtschaft wird dies in den kommenden
Quartalen in Form eines rückläufigen Ausfuhrwachstums
zu spüren bekommen (vgl. Abbildung
4).
Einziger Lichtblick: Der Wohnungsbau
Einen der wenigen Hoffnungsschimmer liefert der
Wohnungsbau. Hier hatten die von staatlicher Seite
verschärften Bewilligungsverfahren (grössere Erdbebensicherheit)
in den vergangenen Quartalen
zum stärksten Einbruch der Bauaktivität seit zehn
Jahren geführt. Inzwischen kündigt jedoch die Stabilisierung
bei der Zahl der Baugenehmigungen ein
Ende der Talfahrt an. Folglich dürften künftig die
Rückgänge bei den Wohnbauinvestitionen kleiner
werden und mithin die Belastungen für das Wirtschaftswachstum
abnehmen.
Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Wohnbauinvestitionen
mit weniger als 3,0% nur einen
kleinen Teil der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung ausmachen. Die Anlageinvestitionen haben
mit 16% ein weitaus höheres Gewicht, so dass die
Abschwächung dort stärker wiegen dürfte als das
Auslaufen des Negativtrends beim Häuserbau.
Der private Konsum leidet unter der Eintrübung
der Beschäftigungsperspektiven
Kritisch müssen daneben die Perspektiven für den
privaten Konsum gewertet werden. Der Grund liegt
vor allem in der sich abzeichnenden Abkühlung am
Arbeitsmarkt. Als Reaktion auf die Quasi-Stagnation
beim Wirtschaftswachstum im 2. und 3. Quartal
des vergangenen Jahres ist davon auszugehen, dass
die Zahl der Neueinstellungen mit der üblichen
Verzögerung zurückgeht.
Entsprechende Signale gehen bereits von der sog.
»Jobs-to-Application-Ratio« aus, die die Anzahl
offener Stellen ins Verhältnis zur Zahl der Arbeitssuchenden
setzt. Inzwischen ist diese Relation deutlich
unter das Vorjahresniveau gesunken. Auch
wenn für diesen Rückgang die kürzlich verbesserten
statistischen Erfassungsmethoden (Vermeidung
von Doppelzählungen beim Arbeitsangebot) mitverantwortlich
gewesen sein dürften – der Rückgang
der Quote zeigt, dass es wieder schwieriger
wird, einen Arbeitsplatz zu finden. Die Beschäftigungsdynamik
ist offensichtlich dabei nachzulassen
(vgl. Abbildung 5).
Abbildung 5: Der Arbeitsmarkt gerät
unter Druck – ...

Quelle: MHLW, MIAC, BANTLEON BANK AG
Die Reallöhne werden unter diesen Voraussetzungen
unter Druck bleiben. Mit -1,7% lagen sie schon
im Dezember letzten Jahres deutlich unter dem
Vorjahresniveau und eine nachhaltige Steigerung ist
angesichts der eingetrübten Arbeitsmarktperspektiven
nicht zu erwarten.
Belastet wird der private Konsum zusätzlich durch
die ungünstige Vermögensentwicklung. So haben
die Aktiennotierungen verglichen mit dem letzten
zyklischen Höchststand im Sommer vergangenen
Jahres mittlerweile rund ein Viertel ihres Wertes
eingebüsst. Ein Teil des Einbruchs im Verbrauchervertrauen
seit Mitte 2007 dürfte nicht zuletzt auch
auf diese Negativentwicklung zurückzuführen sein.
Alles in allem rechnen wir daher beim privaten
Konsum in den nächsten Quartalen mit einer
nachlassenden Dynamik (vgl. Abbildung 6).
Abbildung 6: ... schlechte Aussichten
für den Konsum!

Quelle: MIAC, METI, BANTLEON BANK AG
Fazit: Der Wachstumstrend zeigt eindeutig nach
unten
In der Gesamtbetrachtung der BIP-Nachfragekomponenten
dominieren eindeutig die Negativsignale:
Die zyklisch wichtigen Anlageinvestitionen haben
unter den sinkenden Unternehmensgewinnen zu
leiden, gleichzeitig nimmt die Exportdynamik im
Umfeld der weltwirtschaftlichen Abkühlung und
des steigenden Yens ab. Hinzu kommen trübe Aussichten
für den privaten Konsum. Die ausklingenden
Belastungen vom Wohnungsbau werden diese
Fülle an Bremseffekten nicht kompensieren können.
Folglich muss sich das Wirtschaftswachstum in
den nächsten Quartalen erkennbar abschwächen,
wenngleich sich die Rezessionsrisiken nach wie vor
in Grenzen halten.
Für die Konjunkturdynamik in der Eurozone folgt
daraus, dass nicht nur die viel diskutierte Rezession
in den USA spürbar dämpfend wirken wird.
Gleichzeitig lässt auch – bislang weitgehend unbeachtet
– der Stimulus aus Asien nach, womit sich
die Perspektiven in Europa zusätzlich eintrüben.
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