Die US-Rentenmärkte vor dem nächsten Paradigmenwechsel

An den US-amerikanischen Rentenmärkten wächst die Angst vor massiven Leitzinserhöhungen. Galt noch vor wenigen Wochen als ausgemacht, dass die Fed den fast zweijährigen Straffungszyklus bei einem Tagesgeldsatz von 5,00% beenden wird, häufen sich inzwischen Prognosen, die sogar die »sechs« vor dem Komma nicht mehr ausschliessen. Treibender Faktor sind dabei die zuletzt deutlich gestiegenen Verbraucherpreise. So nahm die Jahresrate im Kernindex der privaten Konsumausgaben (ohne Energie- und Nahrungsmittel) in den letzten drei Monaten um 0,3%-Punkte auf 2,1% zu und lag damit oberhalb der Toleranzschwelle der Währungshüter (2,0%).

Die Reaktion des FOMC war eindeutig: Das zuvor ausgewogene »Wording« wurde wieder verschärft, von einer baldigen Zinspause ist keine Rede mehr. Die Anleihenmärkte gerieten vor diesem Hintergrund massiv unter Druck, die Renditen legten über sämtliche Laufzeiten hinweg zu und erreichten teilweise fünfeinhalbjährige Höchststände. Derzeit scheint nichts darauf hinzudeuten, dass sich diese Entwicklung in näherer Zukunft umkehren könnte.

Der Schein trügt jedoch. Die Inflationsfokussierung der Finanzmärkte dürfte zwar ganz im Sinne der Fed sein, von Dauer ist sie deswegen noch lange nicht. Der beste Frühindikator für die künftige Teuerung ist und bleibt noch immer die konjunkturelle Dynamik: Das Wirtschaftswachstum läuft dem Preistrend um 12 bis 18 Monate voraus! Auch die Fed hat sich in der Vergangenheit an dieser stark verzögerten Reaktion der Preise orientiert, denn die Straffungszyklen der Währungshüter endeten üblicherweise ein Jahr vor dem Hochpunkt der Inflation!

Insofern hängt es letztlich vom Konjunkturverlauf ab, wie weit die Leitzinsen noch steigen werden – und schon kehren sich die Vorzeichen um! Während unsere Frühindikatoren bereits seit längerem auf eine nachhaltige Wachstumsverlangsamung ab dem 2. Quartal hindeuten, häufen sich inzwischen auch in den offiziellen Barometern die Warnsignale – sogar eine längere Stagnation ist nicht mehr auszuschliessen!

Im Zentrum steht dabei die Entwicklung am Immobilienmarkt. In der letzten Woche gab die National Association of Homebuilders (NAHB) bekannt, dass sich das Geschäftsklima im Bausektor im Juni zum elften Mal innerhalb der letzten 12 Monate verschlechtert hat. Die Stimmung ist damit auf dem niedrigsten Niveau seit 1995 angelangt. Besorgniserregend ist das hohe Tempo dieses Abwärtstrends: Nie zuvor seit Erhebung des Indikators hat sich das Sentiment binnen eines Jahres so stark verschlechtert wie derzeit.

Unsere Analysen zeigen, dass der Umsatztrend am Immobilienmarkt einen hervorragenden Frühindikator für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft darstellt – in der Vergangenheit folgten die Konsumausgaben dem NAHB Index mit einem stabilen zeitlichen Abstand von 9 bis 12 Monaten. In Anbetracht dessen ist das Risiko extrem gross, dass sich die konjunkturelle Datenlage in den nächsten Wochen schlagartig verschlechtern wird. Die wiederholten Rückgänge im »Leading Indicator« des Conference Board müssen in diesem Kontext bereits als ernst zu nehmende Vorboten für das Übergreifen der Immobilienmarktabkühlung auf den Rest der Wirtschaft gewertet werden.

Wir gehen vor diesem Hintergrund davon aus, dass die Inflationsangst in naher Zukunft von grossen Sorgen im Hinblick auf die konjunkturellen Perspektiven abgelöst wird. Die Fed wird hierauf im Laufe der Sommermonate reagieren und nach dem nächsten Zinsschritt eine Pause einlegen. Damit hellt sich das fundamentale Umfeld für US-Treasuries spürbar auf – europäische Staatsanleihen werden sich dieser Vorgabe nicht entziehen.


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