Die US-Hypothekenkrise
ist noch längst nicht verdaut!
Anfang letzter Woche schienen die Finanzmarktturbulenzen fast in
Vergessenheit geraten zu sein. Die weltweit führenden Aktienbarometer
hatten gerade neue Allzeithöchststände erreicht und die Verwerfungen an
den Geld- und Kreditmärkten bildeten sich erkennbar zurück. Ausserdem
blieben die realwirtschaftlichen Folgen der Hypothekenkrise – vor allem in
den USA – bislang jenseits der Wahrnehmungsschwelle. In Anbetracht
dessen begannen die ersten Investmentbanken bereits damit, die
Wachstumsprognosen für 2007 und 2008 wieder nach oben zu korrigieren.
Zu früh gefreut: Wie die letzten Tage vor Augen geführt haben, ist die
Krise noch längst nicht ausgestanden – weder an den Finanzmärkten noch
in der realen Wirtschaft. Auslöser für den jüngsten Stimmungswandel
waren die enttäuschenden Ertragszahlen grosser US-Banken. Offenkundig
sind die Kollateralschäden in den Bilanzen gravierender als bislang
vermutet. Nicht nur wegen der extrem hohen Refinanzierungskosten,
sondern auch als Folge der zunehmenden Zahl an ausfallenden Krediten.
Immer mehr Privathaushalte in den USA sind nicht mehr in der Lage, die
Zins- und Tilgungslasten zu tragen, und müssen »Insolvenz« anmelden.
Die Ausfallraten werden nach den Statistiken der grossen
Immobilienfinanzierer noch bis weit ins Jahr 2008 hinein wachsen. Erst
dann sind die meisten Kredite, die während der Boomphase 2003-2005
aufgenommen wurden, an die neuen Konditionen angepasst und
frühestens dann dürfte eine allmähliche Normalisierung am USHypothekenmarkt
einsetzen.
Bis dahin jedoch bleiben die konjunkturellen Risiken enorm – was die
jüngsten Daten eindrucksvoll belegen. So ist die Zahl der Bauanträge im
September um 7,3% gegenüber August gesunken und erreichte damit einen
neuen 12½-jährigen Tiefststand. Noch stärker gingen die Baubeginne
zurück, die im Monatsvergleich um 10,3% einbrachen und sogar einen 14-
jährigen Tiefststand markierten. In Relation zur Boomphase Ende
2005/Anfang 2006 hat die Bauaktivität mittlerweile um fast 50%
abgenommen. Und laut aktueller Verbandsumfrage hat sich der
Abwärtstrend im Oktober ungebremst fortgesetzt.
Trotzdem sind die Leerstände bei Wohnimmobilien so gross wie zuletzt
Anfang der 90er Jahre. Daraus folgt zum einen, dass die Bauinvestitionen
in den nächsten Quartalen mit zweistelligen Raten schrumpfen werden.
Zum anderen führt kein Weg an deutlich sinkenden Preisen vorbei. Die
Belastungen für die Privathaushalte nehmen demnach auch von dieser
Seite zu – entsprechend negativ sind die Vorgaben für die mittelfristige
Entwicklung des Konsums. Die Unternehmen stellen sich bereits auf eine
schwächere Endnachfrage ein. Im Windschatten rückläufiger Auftragseingänge
wurde die Produktion erkennbar gedrosselt und Lagerbestände
abgebaut. Dieser Trend dürfte sich nach Massgabe unserer
Prognosemodelle in den nächsten Monaten noch verstärken und wird
unweigerlich auch am Arbeitsmarkt seine Spuren hinterlassen!
Fazit: Die US-Wirtschaft hat die Kreditkrise alles andere als überwunden –
vielmehr steht der Grossteil der Belastungen noch bevor. Die Fed bleibt
damit auch nach der kräftigen Zinssenkung vom September unter
Zugzwang. Selbst wenn die Leitzinsen am 31. Oktober nicht verändert
werden, rechnen wir mit mindestens zwei weiteren Lockerungen. Die
Rentenmärkte werden unterdessen drei oder sogar vier Schritte
eskomptieren – die mittelfristigen Perspektiven für US-Staatsanleihen sind
daher klar positiv zu werten
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