Schwacher Konsum, starker Export – ein deutscher
Dauerbrenner?
In Deutschland nichts Neues: Der Exportmotor läuft scheinbar immer noch rund – trotz
eines Rekordhochs beim Euro von knapp 1,50 USD. Gleichzeitig hält die
Zurückhaltung der Konsumenten an, obwohl die Arbeitslosenquote mittlerweile auf
einen 14-jährigen Tiefststand gefallen ist und seit Mitte 2005 1,2 Mio. neue
Arbeitsplätze entstanden sind.
Dieses zweigeteilte und für Deutschland charakteristische Konjunkturbild haben die
Daten der vergangenen Woche nachdrücklich unterstrichen. Insbesondere die
Einzelhandelsumsätze enttäuschten dabei erneut: Sie fielen im Oktober um nicht
weniger als 2,7% und liegen somit nach einer zwischenzeitlichen Erholung wieder
deutlich unter dem Vorjahresniveau. Damit aber nicht genug, angesichts des
rückläufigen Einzelhandels- und Verbrauchervertrauens muss kurzfristig sogar mit
einer weiteren Verschlechterung der Lage gerechnet werden. Die Konsumnachfrage
bleibt daher das Sorgenkind der deutschen Konjunktur.
Wie gut, dass es noch die Auslandsnachfrage gibt! So äusserte sich die Industrie trotz
des schwächeren Konsums erstmals seit Monaten nicht mehr pessimistischer. Laut IFOInstitut
haben hierzu auch die Exportaussichten beigetragen. Dazu passt, dass die
Verbände der beiden wichtigsten deutschen Industriebranchen (Maschinenbau und
Automobilindustrie) – zumindest bis Oktober 2007 – über ein nach wie vor lebhaftes
Auslandsgeschäft berichten.
Bleibt also alles beim Alten? Ein starker Export gleicht die Schwäche in der
Binnennachfrage aus und sorgt per saldo für ordentliche Wachstumsraten? Zu einem
solchen Optimismus besteht aus unserer Sicht kein Anlass – die zyklische
Abschwächung ist weiterhin vollkommen intakt. Besonders deutlich wird dies in den
sektorübergreifenden Konjunkturbarometern wie dem Wirtschaftsvertrauen der EUKommission.
Im 4. Quartal setzte dieser Indikator seinen Abwärtstrend unbeeindruckt
fort und markierte ein neues zyklisches Tief, d.h. die Gesamtheit aus Industrie,
Dienstleistungen, Bau und Einzelhandel äusserten sich so skeptisch wie seit Mitte 2006
nicht mehr.
Auch im Aussenhandel stellt sich die Lage nicht mehr ganz so rosig wie im
vergangenen Jahr dar. So sind die Wachstumsraten im Export seit Januar eindeutig
rückläufig. Dieser Trend wird in den kommenden Quartalen noch zunehmen, da sich
Belastungsfaktoren wie die Euro-Aufwertung erst mit einer Zeitverzögerung von bis
zu einem Jahr auswirken. Schliesslich steht die eigentliche Belastungsprobe für die
globale Weltwirtschaft mit der absehbaren Konsumabschwächung in den USA erst
noch bevor.
Insgesamt ist damit die Exportdynamik klar nach unten gerichtet, während die
Konsumnachfrage unverändert in Lethargie verharrt. Die grösste Volkswirtschaft der
Eurozone wird daher nicht nur zum Jahresende, sondern auch im ersten Halbjahr 2008
unterdurchschnittlich expandieren. Diese nachlassende Wachstumsdynamik dürfte die
momentan vorhandenen Inflationsängste dämpfen. Vor diesem Hintergrund werden
sich die Anleihenmärkte auf tiefere Leitzinsen einstellen und mit Blick auf die nächsten
Monate weitere Kursgewinne verbuchen!
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