Wachstumsabschwächung im Euroraum – der Anfang ist gemacht

Man kann es drehen und wenden wie man will: Das Wirtschaftswachstum im Euroraum hat sich zu Jahresbeginn abgeschwächt. Der Rückgang war zwar nicht ganz so ausgeprägt wie befürchtet. Mit einem Plus von 0,6% expandierte das Bruttoinlands-produkt der Währungsunion aber deutlich langsamer als im vergangenen Jahr (durchschnittlich +0,8% pro Quartal). Damit ist die Wachstumsrate auf ihr langfristiges Potentialniveau zurückgekehrt, das nach aktuellen EZB-Kalkulationen mit 0,5% bis 0,6% pro Vierteljahr zu veranschlagen ist.

Dass die Performance des Euroraums die Erwartungen dennoch übertreffen konnte, lag erstens an der extrem starken Investitionskonjunktur in Deutschland, die den MwSt-bedingten Konsumausfall überkompensierte. Zum einen zwingt der hohe Auslastungsgrad die Unternehmen zur Erweiterung ihrer Produktionskapazitäten. Zum anderen erlaubte die im Winterhalbjahr ungewöhnlich warme Witterung den Baufirmen, mit begonnenen Arbeiten länger als üblich fortzufahren bzw. mit neuen Projekten deutlich früher als gewöhnlich zu beginnen. Dieser saisonale »Ausreisser« wird sich indes ab Q2 ins Gegenteil verkehren und das Wachstum belasten. Selbst wenn der private Konsum wieder anziehen sollte und die Ausrüstungsinvestitionen robust bleiben, wird der Anstieg des BIP daher nicht über das 1. Vierteljahr hinausragen.

Zweitens wurde die EUR-Konjunktur in besonderem Masse von den Mitgliedsstaaten Südeuropas beflügelt. Portugal (+0,8%), Spanien (+1,0%) und allen voran Griechenland (+3,2%) waren zusammengenommen für die Hälfte des EUR-Wirtschaftswachstums verantwortlich. Auch an diesem Ergebnis hatte die Baukonjunktur einen gehörigen Anteil, seit Jahren sind die Immobilienmärkte in diesen Ländern stark überhitzt. Der massive Angebotsüberhang in Verbindung mit den immer teureren Finanzierungskonditionen hat inzwischen zwar für einen »Klimawandel« gesorgt – die Bauanträge sind auf breiter Front rückläufig. Weil die Baufirmen jedoch mit aller Macht versuchen, die Immobilien vor dem befürchteten Kollaps auf den Markt zu bringen, wird das Wirtschaftswachstum rechnerisch in die Höhe getrieben. Am Befund einer bevorstehenden, immobilienmarktinduzierten Wachstumsabkühlung ändert sich hierdurch indes nichts.

Drittens profitierte die Bilanz des 1. Quartals von den nach wie vor kräftigen Exporten – vor allem in den asiatischen Raum. Auch hier spricht jedoch einiges dafür, dass dieser Motor in Zukunft an Kraft einbüssen wird. Die Importnachfrage in Japan, Südkorea und Taiwan hat sich bereits erheblich abgekühlt und steht kurz vor der Stagnation. Nur in China setzte sich der Boom fort, was aber nach den Plänen der Zentralregierung so nicht bleiben wird. Mittlerweile werden im Wochenrhythmus Massnahmen zur Eindämmung der Investitionsgüternachfrage ergriffen – zuletzt am vergangenen Freitag in Form einer Kombination aus Leitzins- und Mindestreservesatzerhöhung, Anhebung des Einlagensatzes und einer beschleunigten Abwertung des Yuan.

Fazit: Obgleich die Unternehmensinvestitionen auch im 2. Quartal noch positiv auf das EUR-Wachstum wirken werden, verlieren andere zentrale Nachfragekomponenten spürbar an Schwung. Der jüngste Knick im Expansionstempo sollte daher nicht abgetan werden. Er definiert vielmehr den Beginn eines neuen Trends, der auch an den europäischen Rentenmärkten Spuren hinterlassen dürfte – die Renditen werden sinken.

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