Die US-Notenbank und ihre Inflationssorgen!

Kapitalmarktanalyse - Dr. Andreas A. Busch, Fundamentale Analyse

Die US-Notenbank ist trotz der sinkenden Kerninflationsraten noch nicht davon überzeugt, dass der Inflationsdruck nachhaltig abgenommen hat. So betonte zuletzt Ben Bernanke im Rahmen seines halbjährlichen Berichts vor dem US-Kongress einmal mehr die Dominanz der Inflationsgefahren. Im Protokoll zur Offenmarktausschusssitzung von Ende Juni wird zur Begründung für diese Skepsis unter anderem darauf hingewiesen, dass der jüngste Rückgang in den Inflationsraten zumindest teilweise durch temporäre Sondereffekte begünstigt und damit überzeichnet wurde.

Explizit genannt werden dabei in den »Minutes« die Kategorien Bekleidung und Tabak, die zuletzt deutlich preisdämpfend wirkten. In der Tat ist insbesondere die Entwicklung bei Bekleidung auffällig: In den letzten vier Monaten waren hier im Vergleich zum Vormonat Preisrückgänge von durchschnittlich 0,6% zu verzeichnen, in Relation zum Vorjahr liegen die Preise inzwischen um 1,6% niedriger, das grösste Minus seit fast eineinhalb Jahren. Angesichts der ausgeprägten Volatilität in dieser Reihe ist es durchaus wahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten spürbare Preisanstiege zu verbuchen sind, die für sich genommen die Kerninflation vorübergehend wieder nach oben treiben könnten.

Allerdings existieren im Warenkorb der privaten Lebenshaltung (CPI) weitere schwankungsanfällige Ausgabenkategorien, die eine genau gegenteilige Entwicklung aufzeigen. Dies gilt vor allem für die Preise für Hotelübernachtungen, die Ben Bernanke im Hinblick auf ihre ausgesprochene Volatilität vor nur wenigen Wochen im gleichen Atemzug mit den Bekleidungspreisen genannt hatte. In dieser Rubrik legten die Preise in den vergangenen drei Monaten annualisiert um 26,8% zu, der kräftigste Anstieg in der bis 1997 zurückreichenden Historie! Somit hat sich an dieser Stelle ein erhebliches Potential für künftig fallende bzw. höchstens unterdurchschnittliche Preissteigerungen aufgestaut. In Anbetracht eines Anteils am Warenkorb von 2,7% existiert folglich zu den drohenden Preisschüben von der Bekleidungskomponente (die mit 3,7% ein nur wenig höheres Gewicht hat) ein nennenswerter Ausgleich.

Vor diesem Hintergrund schätzen wir die Inflationsperspektiven weniger risikobehaftet ein, als der isolierte Blick auf einzelne Komponenten der Verbraucherpreisstatistik suggeriert, zumal die makroökonomischen Rahmenbedingungen für einen tendenziell nachlassenden Teuerungsdruck sprechen. Zwar ist das Wirtschaftswachstum bislang nicht eingebrochen und daher von dieser Seite kein massiver Disinflationstrend entstanden. Allerdings hat sich das gesamtwirtschaftliche Expansionstempo in den letzten fünf Quartalen mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von nur noch 1,9% spürbar verlangsamt. Gemäss den üblichen Zeitverzögerungen wird allein diese Abkühlung bis ins Jahr 2008 hinein einen moderaten Abwärtsdruck auf die Inflationsraten ausüben.

Hinzu sollten weitere entlastende Effekte von den Mieten kommen. In diesem Segment hat die Immobilienmarktrezession dazu geführt, dass wegen der drohenden Wertverluste beim Verkauf von Häusern immer mehr Objekte statt zum Kauf zur Miete angeboten werden. In der Folge haben sich die Mietpreissteigerungen bereits deutlich zurückgebildet. Angesichts der angewachsenen Leerstände, die einen Vorlauf von über einem Jahr vor den Mieten haben, dürfte dieser Trend – wenn auch etwas flacher – in den kommenden Quartalen anhalten.

Alles in allem sehen wir daher keine überzeugenden Argumente, die für erneut anziehende Kerninflationsraten sprechen. Vielmehr deuten sowohl das niedrigere gesamtwirtschaftliche Wachstumstempo der vergangenen Quartale als auch die Eigendynamik in wichtigen Komponenten des Verbraucherpreisindex auf einen zwar flacheren, aber anhaltenden Abwärtstrend hin. Die Kerninflationsrate (CPI) sollte daher im Laufe des zweiten Halbjahres die 2,0%-Grenze erreichen und im 1. Halbjahr 2008 erkennbar darunter fallen.

Dr. Andreas A. Busch
Senior Economist bei der auf das Management von Staatsanleihenfonds
spezialisierten BANTLEON BANK AG

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