Die Finanzmarktturbulenzen scheinen der europäischen Konjunktur wenig anzuhaben – so könnte man die Ergebnisse der jüngsten Stimmungsumfragen der EU-Kommission kurz und prägnant zusammenfassen. Denn während das Verbrauchervertrauen nur einen leichten Dämpfer erlitt, blieb das von der EU-Kommission erhobene Geschäftsklima auf hohem Niveau stabil! Kein Grund zur Panik, sollte man meinen; die Einbrüche in den finanzmarktlastigen Frühindikatoren (ZEW, SENTIX) stellen wahrscheinlich nur eine Übertreibung dar, die nicht allzu ernst genommen werden müssen.
Nach unserer Überzeugung gibt es für Entwarnung allerdings keinen Grund. Unter der Oberfläche sind die Risse im Fundament des Wirtschaftsaufschwungs in der Eurozone deutlich grösser, als es die robusten Umfrageergebnisse suggerieren. Zwar werden die aktuelle Auftragslage und auch die Produktionstätigkeit noch immer ausgesprochen positiv bewertet; aber gerade im gegenwärtigen Umfeld kommt den vorausschauenden Indikatoren ein besonderes Gewicht zu – und hier trüben sich die Aussichten nach den jüngsten Umfragen unverkennbar ein.
Dies gilt vor allem für die Unternehmen in Deutschland, die in den vergangenen 1½ Jahren mit ihrem Optimismus die gesamte Eurozone infiziert hatten. Laut IFOUmfrage wurden die Geschäftserwartungen im August zum dritten Mal in Folge nach unten korrigiert. Waren es in den Vormonaten der hohe Eurokurs, die gestiegenen Zinsen sowie teure Rohstoffe, die auf der Stimmung lasteten, so richten sich die sorgenvollen Blicke mittlerweile auf die internationalen Kreditmärkte und damit die Weltwirtschaft insgesamt.
Dabei mag die wachsende Risikoaversion der Investoren für die Stabilität des globalen Finanzsystems eine gesunde Entwicklung sein. Aus Sicht der Unternehmen werden Finanzierungen – die eigenen wie die der Kunden – jedoch erheblich teurer. Damit droht eine wichtige Quelle der konjunkturellen Euphorie, die Fiktion der überreichlichen Liquidität, zu versiegen.
Wie die enttäuschende Entwicklung der Auftragseingänge in den letzten Monaten zeigt, sind die hiermit verbundenen Risiken keineswegs abstrakter Natur, sondern ausgesprochen real. Vor diesem Hintergrund verzeichnete auch der IFO-Gesamtindex den dritten Rückgang nacheinander – in der Diktion des IFO-Instituts eine »Trendwende«! Damit bestätigt sich für die deutsche Wirtschaft, was in den übrigen Mitgliedsstaaten bereits seit längerem zu erkennen ist: Der Wachstumszenit ist durchschritten.
Fazit: Auch wenn sich der konjunkturelle Abwärtstrend durch die Finanzmarktturbulenzen nicht beschleunigt hat – er ist intakt und wird nach Massgabe der Frühindikatoren mindestens bis ins erste Halbjahr 2008 hinein anhalten. In diesem Umfeld wird die EZB ihren Straffungszyklus in naher Zukunft beenden. Der für den kommenden Donnerstag angekündigte Schritt auf 4,25% ist demnach überflüssig und könnte sogar ersatzlos entfallen.
In Anbetracht des nahenden Endes im Leitzinserhöhungszyklus und aufgrund des nachlassenden Expansionstempos bewerten wir die übergeordneten fundamentalen Rentenmarktaussichten klar positiv. Auf dem aktuellen Renditeniveau eröffnet sich allerdings insbesondere bei kurzen und mittleren Laufzeiten nur Ertragspotential, wenn echte Zinssenkungsphantasie aufkommt, wofür wir gegenwärtig keinen Grund sehen. Solange dieses Spannungsfeld bestehen bleibt, halten wir an unserer ambivalenten Gesamteinschätzung fest!
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