Die Einschläge kommen näher – konjunkturelle Ernüchterung in der Eurozone

Die scheinbar unerschütterliche konjunkturelle Euphorie in der Eurozone ist verflogen, anders lassen sich die in der vergangenen Woche veröffentlichten Umfrageergebnisse nicht zusammenfassen. Für einen Paukenschlag sorgte dabei vor allem das Stimmungsbarometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), das den dritten Absturz in Folge erlebte – mit -20,3 Punkten erreichte der Indikator für die Eurozone sogar ein Allzeittief!

Nun könnte man einwenden, die vom ZEW gemessene Stimmung unter Analysten sei für den konjunkturellen Zyklus von untergeordneter Bedeutung. Das Gegenteil ist richtig: Mit Blick auf die Veränderungsrichtung des Wirtschaftswachstums erwiesen sich die Signale der ZEWUmfrage bislang als extrem zuverlässig. Es gibt daher nichts zu deuteln: Die Expansionsdynamik in der Eurozone wird in den nächsten Quartalen weiter an Schwung verlieren.

Gründe hierfür gibt es auch genug. So wird die Vertrauenskrise an den Geld- und Kreditmärkten nachhaltig auf die Risikoaversion von Banken und Finanzdienstleistern durchschlagen. Laut der jüngsten Einkaufsmanagerumfrage im Dienstleistungssektor ist das keine Prognose mehr, sondern Realität. Demnach hat sich die Geschäftslage, vor allem das Neugeschäft, im September so stark verschlechtert wie noch nie seit Beginn der Erhebung (Juli 1998)! Offenkundig gerät der Motor des europäischen Wachstumsbooms ins Stottern.

Hinzu kommen die wachsenden Rezessionsrisiken in den USA. Im Fokus bleibt dabei die sich immer schneller drehende Abwärtsspirale am Immobilienmarkt. Die Zahl der Baugenehmigungen ist im August auf einen 12-jährigen Tiefststand gesunken. Nach Massgabe des wichtigsten Branchenverbandes (National Association of Homebuilders) ist ein Ende des Negativtrends nicht in Sicht. Die Immobilienpreise stehen somit vor einer Neubewertung – und das trifft die überschuldeten Privathaushalte hart. Zumal sich mittlerweile auch die Einkommens- und Beschäftigungsaussichten eintrüben. Kein Zweifel also: Der private Konsum wird mindestens einen Gang zurückschalten!

Solange sich die Wachstumsprobleme in den USA primär auf den Bau- und Immobiliensektor konzentrierten, hielten sich die Kollateralschäden bei den Handelspartnern in Grenzen. Mit dem Überschwappen der Krise auf den Konsum ändern sich die Vorzeichen jedoch grundlegend: Die heraufziehende Flaute auf dem grössten Absatzmarkt der Welt wird zwangsweise auch in den Exportnationen Europas ihre Spuren hinterlassen.

Als wäre das nicht genug, mit der rasanten Aufwertung des Euros verstärken sich die Gefahren für das Konjunkturklima zusätzlich. Die Gemeinschaftswährung notiert über 1,41 USD; selbst in handelsgewichteten Einheiten gerechnet wurde ein neues Allzeithoch erreicht. Vor diesem Hintergrund korrigieren sogar die chronischen Optimisten beim Bundesverband für den Gross- und Aussenhandel ihre Prognosen für die Exportentwicklung im nächsten Jahr nach unten!

Fazit: Die konjunkturellen Risiken haben im Sog der straffen Finanzmarktkonditionen unverkennbar zugenommen. Nach unserer Überzeugung wird sich die EZB der neuen Faktenlage über kurz oder lang anpassen und den Zinserhöhungszyklus für beendet erklären müssen. Die Rentenmärkte dürften noch einen Schritt weiter gehen und Zinssenkungen ins Visier nehmen. In Anbetracht dessen haben wir die massive Kurskorrektur der letzten Woche genutzt und am vergangenen Freitag die Duration in den fundamental gemanagten »Bantleon StaatsAnleihenFonds« spürbar verlängert!

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