Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht stellt aus konjunktureller Sicht eine einzige
Enttäuschung dar – gleichwohl eine, mit der man rechnen musste. Im April wurden
nur noch 88.000 neue Stellen geschaffen, der geringste Anstieg seit November 2004.
Ausserdem hat das Statistikamt die für Februar und März 2007 gemeldeten
Beschäftigungsanstiege um insgesamt 26.000 nach unten korrigiert, die umfassendste
Abwärtsrevision der letzten 12 Monate.
Noch deutlicher stechen die Schwächezeichen hervor, wenn neben der Monatsbilanz
der übergeordnete Trend am Arbeitsmarkt in Betracht gezogen wird. So summieren
sich die Stellenschaffungen in den ersten vier Monaten des Jahres 2007 auf
durchschnittlich 129.000, in der gleichen Periode des Vorjahres waren es 225.000 – ein
Rückgang um mehr als 40%! Kein Wunder, dass die Arbeitslosenquote ihren seit Mitte
2003 bestehenden Abwärtstrend in den letzten sieben Monaten nicht mehr fortsetzen
konnte.
Darüber hinaus sank die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 0,4%, der dritte
Rückgang in den vergangenen vier Monaten. Auch die Lohndaten fügen sich nahtlos in
diesen Reigen ein: Die durchschnittlichen Stundenlöhne legten um magere 0,2% zu und
befinden sich damit nur noch 3,7% über dem Niveau des Vorjahres; noch im Dezember
2006 hatte das Plus 4,3% betragen.
Kein Zweifel also: Die Wachstumsschwäche der US-Wirtschaft ist am Arbeitsmarkt
angekommen. Dabei markieren die Aprilzahlen erst den Anfang eines länger
anhaltenden Trends. Dafür spricht nicht nur die Tatsache, dass im besonders
zyklischen Zeitarbeitsgewerbe zuletzt überproportional viele Stellen verloren gingen –
üblicherweise ein verlässlicher Vorbote für die Entwicklung in den übrigen Branchen.
Auch der kräftige Stellenabbau im verarbeitenden Gewerbe unterstreicht den enormen
Gegenwind, dem die US-Konjunktur derzeit ausgesetzt ist.
Weit bedeutender ist jedoch die drohende Rückkopplung vom Arbeitsmarkt auf die
privaten Ausgaben. Zum einen dürfte sich die Kauflaune der Verbraucher in den
nächsten Monaten spürbar zurückbilden. Zum anderen verschärfen die nachlassenden
Lohnsteigerungen die angespannte Verschuldungssituation vieler Familien. Der
Konsum, als wichtigste Stütze der US-Konjunktur, gerät damit ins Wanken und wird
eine Spirale schwächerer Wachstumszahlen und rückläufiger Beschäftigungszuwächse
in Gang setzen. Die konjunkturelle Bremskraft sollte somit immer weniger vom
Immobilienmarkt als vielmehr von der Binnennachfrage insgesamt ausgehen.
Das wird für die wichtigsten Handelspartnerländer in Europa nicht folgenlos bleiben.
Wie die jüngsten Einkaufsmanagerumfragen zeigen, lässt die Wachstumsdynamik
auch diesseits des Atlantiks erkennbar nach. Die Auftragsbücher sind zwar prall
gefüllt, das Neugeschäft entwickelt sich indes deutlich schwächer als vor drei, sechs
oder zwölf Monaten – ein Umstand, der über die euphorischen Stimmungswerte
gänzlich in den Hintergrund getreten ist.
Erschwerend hinzu kommt der aufwertende Euro, der nach Massgabe der
vierteljährlichen Umfrage der EU-Kommission eine markante Verschlechterung der
Wettbewerbsposition europäischer Unternehmen auf den Weltmärkten nach sich
gezogen hat. Wir bleiben daher skeptisch für die Konjunkturaussichten im Euroraum.
Der Wachstumshochpunkt liegt hinter uns – ein Szenario, auf das sich die
Finanzmärkte allerdings erst noch einstellen müssen!
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