Die jüngsten Zahlen zur Entwicklung des Wirtschaftswachstums im
Euroraum sind beeindruckend: Das Bruttoinlandsprodukt der Währungsunion
legte gegenüber dem 1. Vierteljahr um 0,9% zu, so stark wie zuletzt
vor sechs Jahren! Als »Lokomotive« erwies sich einmal mehr Frankreich,
das seine Wertschöpfung um 1,2% steigern konnte. Aber auch Deutschland
überzeugte mit einem Plus von 0,9%, zumal die schwachen Vorquartale
erheblich nach oben korrigiert wurden.
Nach Massgabe der vorliegenden Daten ist somit klar: Der Euroraum
boomt – aber was kommt danach? Unsere Analysen deuten seit längerem
darauf hin, dass der Gipfel im laufenden Wirtschaftsaufschwung im 2.
Quartal durchschritten ist. Was vor uns liegt, ist nicht die Fortsetzung des
Höhenfluges, sondern der Abstieg zum nächsten konjunkturellen
Talboden!
Darauf weisen neben unseren weit vorauslaufenden Frühindikatoren
inzwischen sämtliche offiziellen Stimmungsbarometer hin. Sowohl die
Unternehmen als auch die professionellen Konjunkturbeobachter zeigen
sich im Hinblick auf die Wachstumsperspektiven zunehmend skeptisch.
Belastungsfaktoren sind dabei die extrem hohen Rohstoff- und Energiepreise,
straffere monetäre Rahmenbedingungen sowie der aufwertende
Euro. Hinzu kommen die 2007 in mehreren Mitgliedsstaaten anstehenden
Steuer- und Abgabenerhöhungen, die ihre Schatten vorauswerfen.
Aber auch das internationale Umfeld trübt sich fortwährend ein, allen
voran in den USA. Dort entwickelt sich der Immobilienmarkt immer mehr
zu einem gesamtwirtschaftlichen Problem: Im August sank mit dem
NAHB-Index das wichtigste Stimmungsbarometer für das Baugewerbe auf
einen 15-jährigen Tiefststand. Gleichzeitig fielen die Baugenehmigungen
zum sechsten Mal in Folge – eine 25-jährige »Rekordmarke«!
Ihre Brisanz beziehen diese Zahlen nicht allein aus der historischen
Dimension der jüngsten Rückgänge. Der Bau- und Immobiliensektor ist
vielmehr in ganz besonderem Masse zinssensitiv und daher ein
zuverlässiger Seismograph für die restriktive Ausrichtung der
gegenwärtigen US-Geldpolitik. Dem »Rest« der Wirtschaft steht die volle
Wucht des monetären Gegenwindes somit in den nächsten Monaten noch
bevor.
Die Einbrüche in den jüngsten Stimmungsumfragen zeugen davon, dass
die ersten Ausläufer schon zu erkennen sind: Unter den Verbrauchern
wächst die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und die
Unternehmen beginnen ihre Investitionspläne für das Jahr 2007 zu kürzen.
Unserer Überzeugung nach ist es daher nur eine Frage der Zeit, bis die Fed
die Leitzinsen auf ein neutrales Niveau zurückführt, um den wachsenden
Rezessionsrisiken entgegen zu treten. Andere Notenbanken – vor allem in
Asien – werden diesem Beispiel folgen und ihre monetären Straffungszyklen
zumindest beenden.
Auch der Euroraum wird sich dieser Vorgabe nicht vollständig entziehen
können. Noch dominiert die Freude über das kräftige Wirtschaftswachstum
des ersten Halbjahres, was der EZB Munition für weitere
Zinserhöhungen liefert. Die nachlassende binnenwirtschaftliche
Expansionsdynamik im Verbund mit der globalen Konjunkturabkühlung
dürfte jedoch noch im laufenden Jahr ein Ende der Straffungen bewirken.
Für EUR-Staatsanleihen ist dieses Umfeld extrem positiv. Wir erwarten für
die nächsten Monate vor allem bei mittleren und längeren Laufzeiten
deutlich fallende Renditen – der Verflachungstrend der Zinskurve bleibt
somit intakt.
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