Die Konjunkturdaten der letzten Woche liessen an Eindeutigkeit kaum zu
wünschen übrig. Auf breiter Front erreichten die Stimmungsbarometer
neue – teilweise sogar historische – Höchststände. Dabei bewerten die
Unternehmen vor allem die aktuelle Lage immer euphorischer. Nach
Massgabe der IFO-Umfrage erhielt die laufende Geschäftstätigkeit in
Deutschland lediglich vor 15 Jahren noch bessere Noten.
Aber nicht nur die Stimmung ist hervorragend, auch die realwirtschaftlichen
Aktivitätsdaten strotzen vor Kraft. Die Aufträge liegen
zweistellig über dem Vorjahresniveau, die Produktion expandiert kräftig
und auch die Zahl der Beschäftigten steigt. In Anbetracht dessen dürfte der
Euroraum sowohl im 2. als auch im 3. Quartal stärker wachsen als die
Potentialrate (0,5% pro Quartal). An der gegenwärtigen wirtschaftlichen
Stärke können daher keine Zweifel bestehen: der Euroraum boomt!
Nur, was kommt danach? Trotz des positiven Sentiments und der robusten
Ausgangslage zu Beginn des 3. Quartals – die Konjunkturerwartungen
haben längst nach unten gedreht. Dies gilt nicht nur für die
Finanzmarktumfragen (SENTIX bzw. ZEW), auch die IFO-Geschäftserwartungen
befinden sich bereits deutlich unter ihrem Höchststand vom
März dieses Jahres.
Mit Blick auf die deutsche Wirtschaft ist zudem klar, dass sich dieser
Abwärtstrend in den vorausschauenden Indikatoren fortsetzen wird.
Neben der Mehrwertsteueranhebung stehen 2007 höhere Renten- und
Krankenversicherungsbeiträge bevor. Von einer nachhaltigen Belebung der
realen Masseneinkommen – die zentrale Voraussetzung für eine lebhaftere
Binnenkonjunktur – kann mithin keine Rede sein. Wir rechnen daher
spätestens ab Juli 2006, wenn in den Geschäftsklimaumfragen erstmals die
Erwartungen für den Jahresanfang 2007 erhoben werden, mit deutlichen
Einbrüchen in den Stimmungsbarometern.
Neben der fragilen Binnennachfrage ist hierfür auch der zunehmende
aussenwirtschaftliche Gegenwind verantwortlich. Die US-Wirtschaft steht
am Beginn einer ausgeprägten Wachstumsverlangsamung, die vor allem
den privaten Konsum in Mitleidenschaft ziehen wird. Damit droht der
konjunkturelle Motor der Weltwirtschaft ins Stottern zu geraten – ein
Szenario, dem mittlerweile auch die Fed eine wachsende Bedeutung
beimisst.
In den asiatischen »Zulieferländern«, Südkorea und Taiwan, sind die
Vorboten dieser Abkühlung bereits zu erkennen: Die Frühindikatoren
befinden sich seit Jahresbeginn in einem Abwärtstrend, der zuletzt deutlich
an Dynamik gewonnen hat. Letzteres ist vor allem den Bremseffekten der
gestiegenen Zinsen und der anhaltend hohen Energie- und Rohstoffpreise
geschuldet.
Die dreijährige Hochkonjunktur der Weltwirtschaft nähert sich somit ihrem
Ende. Noch profitieren die europäischen Exporteure von der robusten
Nachfrage nach Investitionsgütern – der zyklische Hochpunkt dürfte
jedoch im laufenden Quartal durchschritten werden. Insofern sind die
mittelfristigen Wachstumsperspektiven für den Euroraum alles andere als
rosig. Die Frühindikatoren werden in den nächsten Monaten nach unten
drehen bzw. ihre begonnenen Abwärtstrends fortsetzen, was für das Jahr
2007 eine spürbar nachlassende Expansionsdynamik ankündigt.
Die Rentenmärkte dürften bereits jetzt damit beginnen, sich auf
dieses Szenario einzustellen. Vor allem mittlere und längere Laufzeiten
verfügen vor diesem Hintergrund über ein attraktives Ertragspotential.
Ende 2006 werden die Renditen deutlich unter ihren
gegenwärtigen Niveaus liegen.
Zum Download...