Düstere Wolken am globalen Konjunkturhimmel

Das Unwetter, das sich über den USA zusammenbraut, nimmt immer bedrohlichere Ausmasse an. So verzeichnete das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Januar seinen heftigsten Einbruch seit sieben Jahren (-19,3 Punkte) – dem Beginn der letzten Rezession! Das besorgniserregende am jüngsten Umfrageergebnis ist vor allem seine Struktur. Sämtliche vorausschauenden Komponenten weisen massive Rückgänge auf: Die Auftragsbestände schrumpfen, das Neugeschäft ist zum Erliegen gekommen, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sinkt und eine Mehrzahl der Industrieunternehmen plant bereits den Abbau von Arbeitsplätzen.

Damit nicht genug, inzwischen häufen sich auch von Seiten des gewerblichen Baus die Schreckensmeldungen – dort wurden bis zum 3. Quartal noch zweistellige Zuwachsraten verbucht. Darüber hinaus zeigen die schwachen Einzelhandelsumsätze im Weihnachtsgeschäft, dass den USVerbrauchern unter der Last steigender Energiepreise, negativer Vermögenseffekte (mittlerweile auch vom Aktienmarkt), der wachsenden Furcht um den Erhalt des Arbeitsplatzes und nicht zuletzt wegen dem erschwerten Zugang zu Konsumkrediten die Luft ausgeht. Insofern wird immer deutlicher, dass sich die Immobilienkrise ausbreitet und längst kein sektorales Problem mehr darstellt.

In Anbetracht dessen nimmt das Rezessionsrisiko in der Tat spürbar zu. Es ist daher kein Wunder, dass die Notenbank für die nächsten Monate deutliche Zinssenkungen in Aussicht gestellt hat. Ausserdem scheint unter den wirtschaftspolitisch Verantwortlichen ein breiter Konsensus darüber zu bestehen, das konjunkturelle Hilfspaket der Regierung im Umfang von ca. 150 Mrd. USD zu unterstützen. Nach unseren Analysen werden die ersten Wirkungen dieser Massnahmen allerdings frühestens im Laufe des zweiten Halbjahres zu beobachten sein – zu spät, um die jüngste Abwärtsdynamik in den Früh- und Realindikatoren zu stoppen.

Gleichzeitig hinterlassen die Ausläufer der Finanzmarktverwerfungen auch in Europa immer stärkere Spuren. In Grossbritannien, dem nominell wichtigsten Handelspartner der Eurozone (!), wächst die Sorge, gleichfalls in einen Abwärtsstrudel zu geraten. Die Immobilienpreise sind in einzelnen Regionen bereits rückläufig und die jüngsten Konsumzahlen verfehlten die Erwartungen deutlich. Die Bank of England führt dies nach Aussagen ihres Vizepräsidenten direkt auf die restriktive Ausrichtung ihrer Geldpolitik zurück und kündigte damit ebenfalls Zinssenkungen an.

Die EZB schien all das bis vor einer Woche unbeeindruckt zu lassen, der Fokus der Währungshüter lag auf der Inflationsbekämpfung, konjunkturelle Gefahren wurden allenfalls am Rande erwähnt. Das hat sich in den vergangenen Tagen jedoch grundlegend geändert. Mit Yves Mersch, Klaus Liebscher und Axel Weber ruderten gleich mehrere prominente »Falken« zurück. Einhellig wurden die zu hohen Preissteigerungsraten heruntergespielt und die Aussichten für das Wirtschaftswachstum als »zunehmend kritisch« tituliert. Wir sehen in dieser 180-Grad-Wende einen ersten Schritt in Richtung Leitzinssenkungen. Nach unserer Überzeugung dürften die entsprechenden Hinweise in den nächsten Wochen noch klarer werden und damit der Rallye an den Rentenmärkten neuen Schwung verleihen. An unserer optimistischen Bewertung der übergeordneten Rentenmarktperspektiven halten wir daher fest: Die Renditen werden weiter sinken!

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