Die Abkühlung am US-Immobilienmarkt ist nicht zu übersehen!

Wie die jüngsten Statistiken aus den USA zeigen, stellt sich der Immobilienmarkt auch im März weiterhin robust dar: So konnten die Verkäufe bestehender Einfamilienhäuser erneut zulegen (+0,3%), obwohl sie schon im Februar ein deutliches Plus von 5,0% auswiesen. Bei Neubauten fiel der Umsatzzuwachs mit +13,6% sogar aussergewöhnlich kräftig aus – der stärkste Anstieg seit fast 13 Jahren.

Diese auf den ersten Blick beeindruckenden Daten können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der übergeordnete Trend am Immobilienmarkt eindeutig nach unten gerichtet ist. Bei bestehenden Häusern liegen die Verkäufe bereits im vierten Monat in Folge unter dem Vorjahresniveau – bei Neubauten bewegen sie sich mittlerweile seit zwei Monaten unter den Werten des letzten Jahres.

Auch in der Preisentwicklung ist die nachlassende Dynamik zu erkennen. Während Ende 2005 Preissteigerungsraten von über 16,0% (gegenüber dem Vorjahr) zu verzeichnen waren, sind die Zuwächse im März auf nur noch 7,4% geschrumpft. Im Westen der USA sind bei Wohnungen und Apartments sogar absolute Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahr von 3,7% auszumachen! Offensichtlich waren die hohen Umsätze nur durch erhebliche Zugeständnisse bei den Preisforderungen der Verkäufer zu realisieren – eine »echte« Robustheit des Marktes kommt daher in den Verkaufszahlen nicht zum Ausdruck.

Im Hinblick auf die konjunkturellen Bremseffekte, die vom Immobilienmarkt auf die gesamtwirtschaftliche Konjunkturdynamik ausgehen, ist jedoch die Preisentwicklung von herausragender Bedeutung: Sinkende Preissteigerungsraten haben einen langsameren Vermögenszuwachs bei den privaten Haushalten zur Folge, so dass die Verbraucher ihre Spartätigkeit tendenziell ausdehnen werden, was zu Lasten der Konsumausgaben geht. Dieser negative Vermögenseffekt, der letztlich zu einer merklichen Verlangsamung des Wachstumstempos der US-Volkswirtschaft führen wird, ist also bereits im Gang, ungeachtet der guten Umsatzentwicklung im Februar und März.

Darüber hinaus deutet alles darauf hin, dass sich der Immobilienmarkt in den kommenden Monaten weiter abkühlen wird. So liegen die – als Frühindikatoren fungierenden – Anträge für Hypothekenkredite im April mittlerweile um knapp 20% unter dem Vorjahresniveau, der grösste Rückgang seit zehn Jahren! Die vielfach gehegte Erwartung, mit dem Beginn der Immobiliensaison im Frühjahr würde wieder eine Belebung einsetzen, hat sich damit offensichtlich als falsch erwiesen. Vielmehr zeigt sich, dass die deutlich gestiegenen Kapitalmarktzinsen eindeutig dämpfend wirken.

Allein durch den bislang vollzogenen Zinsanstieg ist somit eine fortgesetzte Abschwächung des Immobilienmarktes im Laufe der nächsten sechs Monate vorgezeichnet. Folglich wird sich der Abwärtstrend bei den Verkäufen und auch den Preissteigerungsraten fortsetzen – der negative Vermögenseffekt ist damit noch längst nicht zu Ende, sondern wird künftig vielmehr immer stärker zum Tragen kommen.

Für den mittelfristigen Wachstumsausblick der US-Wirtschaft bleiben die Perspektiven daher unverändert. Eine merkliche Abschwächung beim Konsum wird das BIP-Wachstum bereits im laufenden Quartal erkennbar belasten. Darüber hinaus sollte im 2. Halbjahr die gesamtwirtschaftliche Expansionsrate unter das inflationsneutrale Potentialniveau sinken. Vor dem Hintergrund der unübersehbaren Bremseffekte, die inzwischen von der restriktiven Geldpolitik ausgehen, wird die Notenbank folglich den Zinserhöhungszyklus bald beenden. Wir rechnen mit einer letzten Anhebung des Tagesgeldsatzes im Mai auf 5,00%, bzw. spätestens im Juni auf 5,25%. Anschliessend werden die Währungshüter abwarten und beobachten, wie umfangreich die dämpfenden Wirkungen der bisherigen Zinserhöhungen ausfallen. Ein Überschiessen halten wir in Anbetracht des freundlichen Inflationsausblicks für äusserst unwahrscheinlich.


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