Das globale Konjunkturumfeld trübt sich weiter ein!

Nach den jüngsten Erhebungen der OECD haben sich die weltweiten Konjunkturperspektiven in Anbetracht der strafferen monetären Rahmenbedingungen spürbar verschlechtert. Die hierfür massgeblichen Veränderungsraten der OECD-Frühindikatoren sind zu Jahresbeginn in sämtlichen erfassten Ländern gesunken und haben dabei auf breiter Front 1½-jährige Tiefststände erreicht!

Besorgniserregend sind vor allem die Signale, die in diesem Zusammenhang von den USA ausgehen. Der drohende Bankrott der New Century Financial Corporation, dem zweitgrössten Hypothekenfinanzierer im »Sub-Prime«-Segment, dürfte dabei nur die Spitzes des Eisberges sein. Offenkundig ist eine wachsende Zahl von Kreditnehmern, die den günstigen Lockangeboten in der Niedrigzinsphase 2003-2005 erlegen sind, ausser Stande, die resultierenden Belastungen zu tragen. Ausschlaggebend hierfür ist, dass die meisten dieser exotischen Finanzierungskonstrukte anhaltend niedrige Kurzfristzinsen bzw. kräftig steigende Immobilienpreisen voraussetzen – nur dann geht die Rechnung für den Häuslebauer und den Hypothekenfinanzierer auf. Beides ist jedoch mittlerweile nicht mehr gegeben, es droht eine Welle von Kreditausfällen.

Die Banken reagieren hierauf mit einer Verschärfung der Kreditvergabestandards, wovon auch erstklassige Schuldner betroffen sind. Damit zieht die Rezession am Immobilienmarkt immer weitere Kreise. Für die überschuldeten US-Privathaushalte, die im Mittel mit ca. 130% ihres verfügbaren Einkommens in der Kreide stehen, dürfte die stark steigende Risikosensibilität im Finanzsektor nur schwer zu verdauen sein. In Anbetracht der langsamer wachsenden Arbeitseinkommen steht letztlich nur ein Ausweg offen: Konsumzurückhaltung – Gift für eine Wirtschaft, die zu 70% vom Konsum abhängt. Mit dieser Hypothek im Nacken wird die USA nicht nur 2007, sondern auch 2008 als Zugpferd der Weltwirtschaft ausfallen.

In den Augen von Konjunkturoptimisten kein Problem, schliesslich sollten die asiatischen Volkswirtschaften – allen voran China – in die Bresche springen und so für ein anhaltend robustes Weltwirtschaftsklima sorgen. Allerdings trüben sich auch in den rasant expandierenden Schwellenländern Asiens die Aussichten ein. Zwar scheint China sein hohes Wachstumstempo im 1. Quartal 2007 beibehalten zu haben, die Zentralregierung und die Notebank greifen mittlerweile jedoch im Monatsrhythmus zu neuen Massnahmen, um die Dynamik einzudämmen. So wurden die Leitzinsen am vergangenen Freitag auf das höchste Niveau seit 1999 angehoben, zuvor wurden in mehreren Schritten die Mindestreservesätze erhöht und die Kreditvergabe im Investitionsgütersektor mit strikteren Auflagen versehen.

Das Wachstum der chinesischen Importe hat sich wegen der restriktiveren Geld- und Fiskalpolitik bereits spürbar verlangsamt und strahlt damit negativ auf das Geschäftsklima in Japan, Südkorea und Taiwan aus. Asien wird nach unseren Berechnungen zwar auch 2007/08 der Motor der Weltwirtschaft bleiben, allerdings mit erheblich gedrosselter Leistung.

Wie wir an dieser Stelle in der vergangenen Woche dargelegt haben, sind die Vorboten dieser Entwicklung in den europäischen Statistiken bereits zu erkennen – die Auslandsnachfrage verliert an Schwung und dieser Trend dürfte sich in den nächsten Quartalen verstärken. Der Euroraum wird sich dem schärferen globalen Gegenwind somit nicht entziehen können – ein Szenario, dessen Folgen an den Finanzmärkten bislang vollkommen unterschätzt werden!

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