Unbegründeter Wachstumsoptimismus setzt den EUR-Rentenmarkt unter Druck

Die EUR-Rentenmärkte haben eine weitere rabenschwarze Handelswoche hinter sich. In sämtlichen Laufzeiten sind die Renditen kräftig gestiegen, wobei vor allem Kurzläufer und die Kurvenmitte unter grossem Druck standen. So rentierten 2-jährige Schätze am Freitag 23 Bp über dem Niveau der Vorwoche, womit sich der Renditeanstieg seit Mitte März (zyklische Tiefststände) auf 130 Bp summiert! Bei 5-jährigen Anleihen sind es im gleichen Zeitraum 100 Bp, bei 10-jährigen immerhin noch 65 Bp! Die Folge ist eine massive Verflachung der Zinsstrukturkurve. Der Renditevorsprung 10-jähriger gegenüber 2-jährigen Anleihen schmolz von 85 Bp (Mitte Februar) auf 6 Bp zusammen – das ist die geringste Laufzeitprämie seit August 2007. Zwischen 5- und 2-jährigen Anleihen, ist sogar eine Inversion entstanden.

Eine derart rasante Verflachung der Zinskurve ist normalerweise nur in Zeiten steigender Leitzinsen zu beobachten. In der Tat zeigt sich an den Geldterminmärkten, dass die Investoren immer mehr von weiteren Straffungen der Geldpolitik überzeugt sind. Eine Erhöhung der Leitzinsen um 25 Bp gegen Ende dieses Jahres gilt beinahe als sicher, ebenso ein zweiter Schritt Anfang 2009.

Angesichts der Rekordpreise am Rohstoffmarkt und in Anbetracht der harschen Inflationsrhetorik der Währungshüter sollte man meinen, die Leitzinsangst der Marktteilnehmer sei eine Folge nach oben korrigierter Inflationserwartungen. Fehlanzeige! Aus dem Renditeabstand zwischen inflationsindexierten Anleihen und Nominalbonds lässt sich ablesen, dass es primär die Realzinskomponente ist – und damit die konjunkturelle Einschätzung –, die hinter dem Anstieg der Renditen am Geldtermin- und Kapitalmarkt steht.

In dieser Hinsicht hat die unerwartete Aufhellung des IFO-Geschäftsklimas in Deutschland die Hoffnungen auf eine Besserung der wirtschaftlichen Aussichten zweifelsohne verstärkt. Allerdings zu Unrecht, denn die IFO-Umfrage steht mit ihrem Optimismus ziemlich allein auf weiter Flur. Nicht nur, dass sich das ZEW-Barometer ebenso wie der OECD-Leading Indicator weiter verschlechterten. Auch die Einkaufsmanager haben ihre Zuversicht verloren – in der Industrie wie im Dienstleistungssektor.

Und das trifft in noch stärkerem Masse auf die übrigen Mitgliedsstaaten zu. Die Umfragen für die Eurozone insgesamt zeigen, dass sich die Wirtschaft in grossen Schritten auf die Stagnationsschwelle zu bewegt. Das Neugeschäft entwickelt sich ausgesprochen schwach, die Exportaufträge liegen sogar erstmals seit 2003 unter ihrem Vorjahresniveau. Gleichzeitig dokumentieren die kürzeren Lieferzeiten eine sinkende Kapazitätsauslastung. Selbst die Beschäftigungsaussichten haben sich eingetrübt. Noch im Laufe des Sommers dürfte hier die Bilanz sogar ins Minus rutschen und erstmals seit über zwei Jahren steigende Arbeitslosenzahlen ausweisen.

Alles in allem haben die konjunkturellen Risiken in den vergangenen Monaten spürbar zugenommen. Das Wachstum der Eurozone wird im weiteren Jahresverlauf deutlich unter die Potentialrate fallen, so dass sich der ohnehin nicht sonderlich ausgeprägte zyklische Preisdruck nachhaltig verringern sollte. Die Furcht vor steigenden Leitzinsen ist mithin unbegründet. Damit nicht genug: Wir gehen nach wie vor von sinkenden Refinanzierungssätzen aus und bewerten daher die übergeordneten Ertragsperspektiven am EUR-Rentenmarkt positiv. Dies gilt umso mehr, als nach der Korrektur der letzten Wochen auch die absoluten Renditen wieder attraktive Niveaus erreicht haben.

Zum Download...