Die Konjunktureuphorie in Deutschland beginnt zu wanken. Sowohl der
ZEW-Index, der die Einschätzungen von Finanzmarktbeobachtern bündelt
als auch das IFO-Geschäftsklima, das sich auf die Aussagen von
Unternehmensvertretern stützt, weisen für Juni einen schwindenden
Optimismus aus. Der IFO-Index hat dabei den stärksten Rückgang seit drei
Jahren vollzogen und beim ZEW-Pendant ist das erste Minus seit sechs
Monaten zu verzeichnen. Die entscheidende Frage, die sich vor diesem
Hintergrund stellt, lautet somit: Handelt es sich bei dieser Entwicklung nur
um eine kurze Verschnaufpause im übergeordneten Aufwärtstrend oder
den Anfang einer umfangreicheren Korrektur der bislang ausgesprochen
zuversichtlichen Wachstumsperspektiven.
Nach unserer Auffassung ist die Antwort eindeutig: Die übertriebenen
Erwartungen hinsichtlich der künftigen Konjunkturdynamik werden
derzeit an die Realität angepasst. Denn hier sprechen die Daten eine klare
Sprache. So haben sich zuletzt sowohl die Auftragseingänge als auch die
Produktionszahlen deutlich schwächer entwickelt, als es die besagten
Frühindikatoren suggeriert hatten. Für das Wirtschaftswachstum in
Deutschland im laufenden Quartal kündigt sich gleichfalls ein lediglich
verhaltenes Plus von 0,5% an, was gegenüber dem – von der MwSt-
Erhöhung belasteten – 1. Quartal keine Beschleunigung darstellen würde.
Im Vergleich zu den durchschnittlichen Zuwächsen von 0,9% im Vorjahr ist
somit definitiv eine markante Verlangsamung im Wachstumstempo
auszumachen.
In der Jahresrate des Wirtschaftswachstums zeigt sich diese bereits in Form
eines beginnenden Abwärtstrends. Nach einem Plus von 3,9% im
4. Quartal 2006 weist DESTATIS für das 1. Vierteljahr 2007 einen Anstieg
von nur noch 3,6% aus. Gemäss unseren Berechnungen dürfte das Plus im
laufenden Quartal sogar unter die 3,0%-Marke sinken, um in der zweiten
Jahreshälfte noch weiter abzunehmen. Dabei sind unserer
Wachstumsprognosen keineswegs pessimistisch – der fortgesetzte
Abwärtstrend in der Jahresrate resultiert zu einem grossen Teil allein daraus, dass die Quartalszuwächse unter den ausgesprochen hohen
Vorgaben des Vorjahres liegen werden.
Für die Entwicklung des IFO-Geschäftsklimas ist damit jedoch der künftige
Weg absehbar. So hat das Stimmungsbarometer in der Vergangenheit
immer den übergeordneten Wachstumstrend in Deutschland
vorgezeichnet. Lediglich in den letzten beiden Quartalen war dies nicht der
Fall, als der IFO-Index eine ungerechtfertigt hohe Konjunkturdynamik
widerspiegelte. Diese Übertreibung wird jedoch in Anbetracht der realen
Entwicklung gegenwärtig korrigiert. Der jüngste Rückgang stellt insofern
in unseren Augen kein Luftholen, sondern den Beginn eines neuen Trends
dar.
Die Details der IFO-Erhebung, die anders als die »Headline«-Indices nicht
nach einer relativ abstrakten Gesamtbeurteilung fragen, sondern auf die
konkrete Geschäftstätigkeit abzielen, stützen diese Einschätzung, da sie
bereits eine deutlichere Skepsis erkennen lassen: So sind die
Unterkomponenten zur tatsächlichen Auftrags- und Nachfragenetwicklung
schon seit einigen Monaten in einen Abwärtstrend übergegangen.
Nach unserer Auffassung dürfte vor diesem Hintergrund auch für den
Euroraum insgesamt die Konjunktureuphorie in den kommenden Monaten
nachlassen. Die fundamentalen Rentenmarktperspektiven schätzen wir
daher weiterhin freundlich ein und rechnen mittelfristig mit fallenden
Anleihenrenditen. Kurzfristig bestehen jedoch nach wie vor Risiken,
insbesondere solange die US-Wirtschaft keine Anzeichen für ein Ende des
aktuellen konjunkturellen Zwischenspurts liefert.
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