Quo vadis Unternehmensbau?
Während der US-Wohnungsbau in den letzten zwei
Jahren immer tiefer in die Rezession gerutscht ist,
erlebte der Unternehmensbau einen wahren Aufschwung.
Mit zweistelligen Expansionsraten trug er
im vergangenen Jahr rund 0,5%-Punkte zum BIPWachstum
bei (ein 23-jähriger Rekord) und konnte
so zumindest einen Teil der aus der Wohnimmobilienkrise
resultierenden Belastungen für die Gesamtwirtschaft
ausgleichen. Wie geht es aber in der
Zukunft weiter?
Die jüngsten Statistiken zum US-Unternehmensbau
liefern diesbezüglich unterschiedliche Signale. Einerseits
weist die vorläufige Schätzung des Bureau
of Labor Statistics (BEA) zum BIP-Wachstum im
1. Quartal mit -6,2% (annualisiert) den ersten Rückgang
der Bauinvestitionen seit 2½ Jahren aus. Andererseits
lassen die monatlichen Daten des Census
Bureau zu den Bauausgaben im März eine deutliche
Belebung und für die Vormonate Aufwärtsrevisionen
erkennen.
Abbildung 1: Erst schwächen sich die Anlageinvestitionen
ab – dann der Unternehmensbau!

Quelle: BEA, BANTLEON BANK AG
Das BEA kannte diese Zahlen noch nicht und unterstellte
in seinen BIP-Berechnungen fälschlicherweise
einen weiteren Rückgang der Aktivität im März.
Auf Basis der nun vorliegenden Daten wird das
Statistikamt die Bauinvestitionen im 1. Quartal entsprechend
nach oben korrigieren müssen und erneut
einen Anstieg ausweisen.
Allerdings darf diese Anpassung nicht darüber
hinwegtäuschen, dass eine merkliche Abkühlung
beim Unternehmensbau nach wie vor überfällig ist.
Dafür spricht allein die Tatsache, dass die Investitionen
in Gebäude den Anlageinvestitionen um rund
ein halbes Jahr nachlaufen. Und bei Maschinen und
Anlagen ist inzwischen seit Längerem sowohl der
übergeordnete Trend abwärtsgerichtet (vgl. Abbildung
1) als auch am aktuellen Rand eine nochmalige
Abschwächung auszumachen: Laut vorläufiger
Schätzung des BEA gingen die Ausrüstungsinvestitionen
am Jahresanfang um 0,7% zurück, das erste
Minus seit fünf Quartalen. Angesichts der sinkenden
Unternehmensgewinne ist darüber hinaus mit
einer immer grösseren Zurückhaltung bei der Kapitalgüterbeschaffung
zu rechnen, was sich letztlich
auch dämpfend auf die gewerbliche Bauaktivität
auswirken wird.
Rückläufige Nachfrage nach Gewerbeimmobilien
Aber nicht nur diese grobe Orientierung am übergeordneten
Konjunkturzyklus deutet auf eine nachhaltige
Abkühlung hin. Mittlerweile mehren sich
auch die konkreten Anzeichen für eine Abschwächung.
So sind etwa die Leerstandsraten bei Industriegebäuden
im 1. Quartal auf 10,5% geklettert, bei
Büroräumen sogar auf 14,9%, einen 2½-jährigen
Höchststand. Dabei hat sich der Anstieg zuletzt
kontinuierlich beschleunigt. Inzwischen notiert die
Leerstandsrate von Büros einen vollen Prozentpunkt
über dem Vorjahresniveau, was einem
4½-jährigen Rekord entspricht (vgl. Abbildung 2).
Abbildung 2: Inzwischen ist ein deutlicher Angebotsüberhang
auszumachen!

Quelle: BEA, CBRE, BANTLEON BANK AG
Offensichtlich ist im Zuge der ungewöhnlich kräftigen
Bauaktivität der letzten beiden Jahre ein merkliches
Überangebot entstanden, das nun auf dem
Markt lastet und eine entsprechende Korrektur
erfordert.
Massiv verschärfte Finanzierungskonditionen
Neben dem Angebotsüberhang kommt der Gewerbebau
von der Finanzierungsseite unter Druck.
Nicht erst seit dem Beginn der Finanzmarktkrise im
Sommer letzten Jahres sind die Banken in diesem
Sektor zurückhaltender bei der Kreditvergabe.
Schon ein Jahr früher, im 2. Halbjahr 2006, haben
die Institute begonnen, die Kreditvergabestandards
spürbar anzuheben. Im Zuge der Verwerfungen an
den Finanzmärkten hat sich dieser Trend nochmals
verschärft. Inzwischen geben so viele Banken eine
Straffung der Konditionen an wie nie zuvor in der
16-jährigen Umfrage der Fed – ein weiterer Frühindikator
für rückläufige Bauinvestitionen in den
nächsten Quartalen (vgl. Abbildung 3).
Abbildung 3: Der Kredithahn wurde
schon zugedreht!

Quelle: Fed, BEA, BANTLEON BANK AG
Architekten spüren den Gegenwind bereits
Dass es tatsächlich in den kommenden Monaten zu
einer merklichen Abkühlung kommen wird, zeigt
die dramatisch verschlechterte Auftragslage bei
Architekten. Üblicherweise bekommen diese als
Erste einen Abschwung zu spüren, der sich dann
mit einer Verzögerung von ca. sechs Monaten –
nachdem die noch im Bau befindlichen Projekte
abgeschlossen wurden – schliesslich in einer nachlassenden
Bauaktivität zeigt. Und genau in diese
Richtung deuten die jüngsten Signale: Der Geschäftsklimaindex
der Architekten innerhalb des
Sektors Unternehmensbau ist in den ersten Monaten
dieses Jahres förmlich eingebrochen. Inzwischen
melden weitaus mehr Architekten ein rückläufiges
als ein expandierendes Geschäft (der Diffusionsindex
notiert mithin unter 50,0, vgl. Abbildung 4). Der
Abschwung beim Gewerbebau bahnt sich offensichtlich
bereits seinen Weg.
Abbildung 4: Die Architekten spüren als Erste
den Abschwung beim Gewerbebau!

Quelle: AIA, Census Bureau, BANTLEON BANK AG; * Monatsdaten
Fazit: Ein markanter Abschwung beim Unternehmensbau
ist unvermeidbar
Die Eindeutigkeit der aktuellen Datenlage ist erdrückend:
Alle verfügbaren Informationen deuten ausnahmslos
darauf hin, dass der Unternehmensbau
vor einer nachhaltigen Korrektur steht. Das Überangebot
an Gewerbeimmobilien sowie die restriktiveren
Finanzierungskonditionen der Banken und
die sinkenden Unternehmensgewinne erzwingen
eine spürbare Abkühlung in den nächsten Quartalen.
Das Wirtschaftswachstum wird dadurch zum einen
direkt in Form sinkender Bauinvestitionen belastet,
zum anderen aber auch indirekt über den Arbeitsmarkt:
Bislang bildete der boomende Unternehmensbau
noch ein Gegengewicht, um die Stellenstreichungen
beim Wohnungsbau zu kompensieren.
Künftig werden jedoch auch hier die Entlassungen
zunehmen und damit die Arbeitslosigkeit zusätzlich
in die Höhe treiben.
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