Eine der letzten Bastionen der US-Wirtschaft gerät ins Wanken!

Dr. Andreas A. Busch
Fundamentale Analyse

Quo vadis Unternehmensbau?

Während der US-Wohnungsbau in den letzten zwei Jahren immer tiefer in die Rezession gerutscht ist, erlebte der Unternehmensbau einen wahren Aufschwung. Mit zweistelligen Expansionsraten trug er im vergangenen Jahr rund 0,5%-Punkte zum BIPWachstum bei (ein 23-jähriger Rekord) und konnte so zumindest einen Teil der aus der Wohnimmobilienkrise resultierenden Belastungen für die Gesamtwirtschaft ausgleichen. Wie geht es aber in der Zukunft weiter?

Die jüngsten Statistiken zum US-Unternehmensbau liefern diesbezüglich unterschiedliche Signale. Einerseits weist die vorläufige Schätzung des Bureau of Labor Statistics (BEA) zum BIP-Wachstum im 1. Quartal mit -6,2% (annualisiert) den ersten Rückgang der Bauinvestitionen seit 2½ Jahren aus. Andererseits lassen die monatlichen Daten des Census Bureau zu den Bauausgaben im März eine deutliche Belebung und für die Vormonate Aufwärtsrevisionen erkennen.

Abbildung 1: Erst schwächen sich die Anlageinvestitionen ab – dann der Unternehmensbau!

Quelle: BEA, BANTLEON BANK AG

Das BEA kannte diese Zahlen noch nicht und unterstellte in seinen BIP-Berechnungen fälschlicherweise einen weiteren Rückgang der Aktivität im März. Auf Basis der nun vorliegenden Daten wird das Statistikamt die Bauinvestitionen im 1. Quartal entsprechend nach oben korrigieren müssen und erneut einen Anstieg ausweisen.

Allerdings darf diese Anpassung nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine merkliche Abkühlung beim Unternehmensbau nach wie vor überfällig ist. Dafür spricht allein die Tatsache, dass die Investitionen in Gebäude den Anlageinvestitionen um rund ein halbes Jahr nachlaufen. Und bei Maschinen und Anlagen ist inzwischen seit Längerem sowohl der übergeordnete Trend abwärtsgerichtet (vgl. Abbildung 1) als auch am aktuellen Rand eine nochmalige Abschwächung auszumachen: Laut vorläufiger Schätzung des BEA gingen die Ausrüstungsinvestitionen am Jahresanfang um 0,7% zurück, das erste Minus seit fünf Quartalen. Angesichts der sinkenden Unternehmensgewinne ist darüber hinaus mit einer immer grösseren Zurückhaltung bei der Kapitalgüterbeschaffung zu rechnen, was sich letztlich auch dämpfend auf die gewerbliche Bauaktivität auswirken wird.

Rückläufige Nachfrage nach Gewerbeimmobilien

Aber nicht nur diese grobe Orientierung am übergeordneten Konjunkturzyklus deutet auf eine nachhaltige Abkühlung hin. Mittlerweile mehren sich auch die konkreten Anzeichen für eine Abschwächung. So sind etwa die Leerstandsraten bei Industriegebäuden im 1. Quartal auf 10,5% geklettert, bei Büroräumen sogar auf 14,9%, einen 2½-jährigen Höchststand. Dabei hat sich der Anstieg zuletzt kontinuierlich beschleunigt. Inzwischen notiert die Leerstandsrate von Büros einen vollen Prozentpunkt über dem Vorjahresniveau, was einem 4½-jährigen Rekord entspricht (vgl. Abbildung 2).

Abbildung 2: Inzwischen ist ein deutlicher Angebotsüberhang auszumachen!

Quelle: BEA, CBRE, BANTLEON BANK AG

Offensichtlich ist im Zuge der ungewöhnlich kräftigen Bauaktivität der letzten beiden Jahre ein merkliches Überangebot entstanden, das nun auf dem Markt lastet und eine entsprechende Korrektur erfordert.

Massiv verschärfte Finanzierungskonditionen

Neben dem Angebotsüberhang kommt der Gewerbebau von der Finanzierungsseite unter Druck. Nicht erst seit dem Beginn der Finanzmarktkrise im Sommer letzten Jahres sind die Banken in diesem Sektor zurückhaltender bei der Kreditvergabe. Schon ein Jahr früher, im 2. Halbjahr 2006, haben die Institute begonnen, die Kreditvergabestandards spürbar anzuheben. Im Zuge der Verwerfungen an den Finanzmärkten hat sich dieser Trend nochmals verschärft. Inzwischen geben so viele Banken eine Straffung der Konditionen an wie nie zuvor in der 16-jährigen Umfrage der Fed – ein weiterer Frühindikator für rückläufige Bauinvestitionen in den nächsten Quartalen (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Kredithahn wurde schon zugedreht!

Quelle: Fed, BEA, BANTLEON BANK AG

Architekten spüren den Gegenwind bereits

Dass es tatsächlich in den kommenden Monaten zu einer merklichen Abkühlung kommen wird, zeigt die dramatisch verschlechterte Auftragslage bei Architekten. Üblicherweise bekommen diese als Erste einen Abschwung zu spüren, der sich dann mit einer Verzögerung von ca. sechs Monaten – nachdem die noch im Bau befindlichen Projekte abgeschlossen wurden – schliesslich in einer nachlassenden Bauaktivität zeigt. Und genau in diese Richtung deuten die jüngsten Signale: Der Geschäftsklimaindex der Architekten innerhalb des Sektors Unternehmensbau ist in den ersten Monaten dieses Jahres förmlich eingebrochen. Inzwischen melden weitaus mehr Architekten ein rückläufiges als ein expandierendes Geschäft (der Diffusionsindex notiert mithin unter 50,0, vgl. Abbildung 4). Der Abschwung beim Gewerbebau bahnt sich offensichtlich bereits seinen Weg.

Abbildung 4: Die Architekten spüren als Erste den Abschwung beim Gewerbebau!

Quelle: AIA, Census Bureau, BANTLEON BANK AG; * Monatsdaten

Fazit: Ein markanter Abschwung beim Unternehmensbau ist unvermeidbar

Die Eindeutigkeit der aktuellen Datenlage ist erdrückend: Alle verfügbaren Informationen deuten ausnahmslos darauf hin, dass der Unternehmensbau vor einer nachhaltigen Korrektur steht. Das Überangebot an Gewerbeimmobilien sowie die restriktiveren Finanzierungskonditionen der Banken und die sinkenden Unternehmensgewinne erzwingen eine spürbare Abkühlung in den nächsten Quartalen.

Das Wirtschaftswachstum wird dadurch zum einen direkt in Form sinkender Bauinvestitionen belastet, zum anderen aber auch indirekt über den Arbeitsmarkt: Bislang bildete der boomende Unternehmensbau noch ein Gegengewicht, um die Stellenstreichungen beim Wohnungsbau zu kompensieren. Künftig werden jedoch auch hier die Entlassungen zunehmen und damit die Arbeitslosigkeit zusätzlich in die Höhe treiben.

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