Die Rezession am Immobilienmarkt nimmt immer
bedrohlichere Ausmasse an
Seit mehr als zwei Jahren steckt der US-Wohnungsmarkt
in einer Rezession. Die Zahl der Baubeginne
ging von ihrem Höhepunkt bei 2,3 Mio. um
mehr als die Hälfte auf nur noch 1,0 Mio. Einheiten
zurück. Gleichzeitig ist zum ersten Mal seit über
fünfzehn Jahren wieder zu beobachten, dass die
Hauspreise spürbar sinken, wobei der bisherige
Negativrekord von 1991 sogar überboten wurde
(vgl. Abbildung 2).
Angesichts dieser extremen Entwicklungen stellt
sich die Frage, wie lange die Krise am Immobilienmarkt
noch andauert und vor allem, ob und in welchem
Ausmass sich der Preisverfall fortsetzen wird.
Denn je stärker die Preise unter Druck geraten,
desto grösser der Schaden für die Gesamtwirtschaft:
Wegen Überschuldung kommt es zu immer mehr
privaten Konkursen und die Haushalte können
weniger »Cash« aus ihrem Immobilienvermögen
realisieren.
Immobilienpreise in Relation zum Haushaltseinkommen
Eine erste Orientierung bietet in diesem Zusammenhang
die Gegenüberstellung der Häuserpreise
mit den privaten Einkommen – ein Mass für die
Erschwinglichkeit von Eigenheimen.
Abbildung 1: Einkommen steigen wieder
schneller als Preise!

Quelle: BEA, Bloomberg, BANTLEON BANK AG
Aus Abbildung 1 geht hervor, dass die Haushaltseinkommen
seit zwei Jahren wieder stärker als
die Immobilienpreise steigen, was in Anbetracht der
dort zu beobachtenden Rückgänge allerdings auch
kein Wunder ist. Die sogenannte Price-Income-Ratio,
die den Hauspreisindex in Relation zur Einkommensentwicklung
stellt, hat sich daher ausgehend
von ihrem Höchststand im Jahr 2005 bereits deutlich
verringert und spiegelt demnach einen Abbau des
zuvor aufgelaufenen Ungleichgewichts wider (vgl.
Abbildung 2). Von dieser Seite sollte es damit für
die US-Bürger tendenziell leichter werden, Wohneigentum
zu erwerben.
Abbildung 2: Eine Price-Income-Ratio deutlich
unter 1,0 ist nicht ungewöhnlich!

Quelle: Bloomberg, BANTLEON BANK AG
Das Problem bei diesem Vergleich ist allerdings,
dass es in der Vergangenheit lange Phasen gab, in
denen die Immobilienpreise langsamer als die Einkommen
gestiegen sind, mithin die Price-Income-
Ratio deutlich unter ihrem aktuellen Niveau lag.
Insofern kann aus dem jüngsten Rückgang der
Price-Income-Ratio nicht der Schluss gezogen werden,
der Preisverfall wäre schon weit fortgeschritten
und müsste bald enden.
Die Orientierung an diesem Mass wird zusätzlich
dadurch erschwert, dass im Rahmen einer massiven
Konjunkturabkühlung die Einkommenszuwächse
zwangsläufig kleiner werden. In diesem Fall würde
sich der Abwärtstrend der Price-Income-Ratio spürbar
verlangsamen.
Mietnieveau als Vergleichsmassstab
Selbst wenn Immobilien grundsätzlich erschwinglicher
sind, stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht
günstiger ist, ein Haus zu mieten, statt zu kaufen,
was zur Price-Rent-Ratio führt. Wir hatten diese
Grösse bereits ausführlich im Rahmen unseres Zinsforums
im Februar 2007 erläutert und schon damals
auf den bevorstehenden Preisverfall hingewiesen.
In den vergangenen zehn Jahren ist der Quotient
von Hauspreisen zu -mieten im Zuge des boomenden
Immobilienmarktes markant gestiegen und
lässt damit eine deutliche Überbewertung erkennen.
Zwar hat sich diese im vergangenen Jahr wieder
zurückgebildet (vgl. Abbildung 3) – im historischen
Vergleich ist sie jedoch nach wie vor ausgesprochen
hoch. Offensichtlich ist trotz der jüngsten Preisrückgänge
weiterhin ein markantes Ungleichgewicht
bei den Hauspreisen auszumachen.
Abbildung 3: Im Vergleich zu den Mieten sind die
Hauspreise immer noch sehr hoch!

Quelle: Bloomberg, BANTLEON BANK AG
Damit sich dieses nachhaltig verringert, müssen die
Immobilienpreise über mehrere Jahre erkennbar
langsamer zulegen als die Mieten bzw. muss sich
der Preisrückgang fortsetzen. Aber selbst wenn die
Preise weiter mit dem aktuellen Tempo sinken,
würde die Price-Rent-Ratio erst Ende 2009 die
»Gleichgewichtsmarke« von 1,0 erreichen. In diesem
Szenario ist unterstellt, dass die Mieten unverändert
um 4,0% pro Jahr zulegen, was eindeutig als
optimistisch zu bewerten ist. Denn der Überhang an
unverkauften Häusern wird das Angebot an Mietobjekten
erhöhen, was den Mietanstieg begrenzen
sollte. Darüber hinaus dürfte auch die aktuelle Konjunkturschwäche
dämpfend wirken.
Damit der Hauskauf im Vergleich zum Mieten
wieder als attraktiv angesehen wird, muss also
noch einige Zeit ins Land gehen und vor allem
muss der Preisverfall längere Zeit andauern.
Angebot und Nachfrage
Eindeutig pessimistisch fällt der Ausblick auch aus,
wenn der immense Überhang an leer stehenden bzw. unverkauften Häusern betrachtet wird. Gemessen
an den aktuellen Umsatzzahlen würde es
derzeit knapp zehn Monate dauern, bis alle angebotenen
Einfamilienhäuser verkauft wären – ein fast
20-jähriger Höchststand.
Des Weiteren ist eine deutliche Sättigung des Marktes
zu erkennen, wenn man berücksichtigt, wie viele
Familien in den letzten Jahren in ihre eigenen vier
Wände gezogen sind. Die Eigenheimquote hat im
Zuge des Immobilienbooms mit 69,0% einen absoluten
Höchststand erreicht und ist bislang nur wenig
gesunken (vgl. Abbildung 4).
Abbildung 4: Der Häusermarkt ist für lange
Zeit gesättigt!

Quelle: Census Bureau, BANTLEON BANK AG
In den nächsten Jahren wird hier der Trend im Zuge
der nachhaltig strengeren Kreditvergabestandards
nach unten zeigen. Auf das hohe Angebot an Häusern
trifft somit eine geringere Nachfrage, sodass
auch aus dieser Perspektive die Preise weiter sinken
müssen.
Fazit: Das Ende des Preisverfalls ist noch nicht
abzusehen
Die Rezession am Immobilienmarkt startet mittlerweile
ins dritte Jahr und ein Ende der Durststrecke
ist bislang nicht auszumachen. Die im Vergleich zu
den Mieten immer noch extrem hohen Häuserpreise
werden nach unserer Einschätzung wegen
des grossen Angebotsüberhangs bis Ende nächsten
Jahres um nochmals rund 10% sinken – wobei
das Risiko dieser Prognose eindeutig in einer noch
ausgeprägteren Abwärtsdynamik liegt.
Auf die historisch beispiellose Hausse der Immobilienpreise
Anfang dieses Jahrzehnts folgt damit eine
ebenso ausserordentliche, bislang nicht da gewesene
Schwächephase. Wir müssen uns daher auf eine
weiter steigende Zahl an Konkursen und geringere
Einkommenszuflüsse aus Immobilienvermögen
einstellen – die Belastungen für den privaten Konsum
haben also noch längst nicht ihren Höhepunkt
erreicht.
Zum Download