Die Eurozone auf direktem Weg in die Rezession!
Die Eurozone bewegt sich in grossen Schritten in Richtung Rezession – so
lautet die unmissverständliche Botschaft der jüngsten Umfrage der EUKommission.
Danach hat sich die Stimmung unter Verbrauchern und
Unternehmen (sämtlicher Branchen) im August zum 14. Mal innerhalb der
letzten 15 Monate verschlechtert! Mehr noch, das Barometer ist mittlerweile
auf den tiefsten Stand seit März 2003 gesunken. Damals rutschten die
Kernländer der Eurozone in eine Rezession. Auch 2001 und 1993, als der
Indikator ähnlich tiefe Werte aufwies, schrumpfte die Wirtschaftsleistung
in den grossen Mitgliedsstaaten deutlich.
Die Zeichen stehen damit auf Sturm – an diesem Befund gibt es nichts zu
beschönigen. Dabei sind es längst nicht mehr nur die Konsumenten, die mit
ihrer chronischen Ausgabenzurückhaltung den Ausblick trüben.
Inzwischen macht sich auch innerhalb des Unternehmenssektors
Resignation breit. Unabhängig von der Branchenzugehörigkeit melden die
befragten Firmen, dass sich die Auftragslage in den vergangenen Monaten
spürbar verschlechtert hat. Deswegen schmelzen die Auftragsbestände
ungewöhnlich schnell ab, was einen dramatischen Einbruch im
Produktionsausblick zur Folge hat – der entsprechende Teilindex fiel im
August auf den tiefsten Stand seit Dezember 2001.
Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang, dass der steile
Abwärtstrend im Neugeschäft sowohl innerhalb der Eurozone als auch mit
Drittländern zu beobachten ist. Von einer stabilisierenden Wirkung der
Auslandsorders kann somit keine Rede mehr sein. Selbst der
Exportweltmeister Deutschland verzeichnete im August zum wiederholten
Male sinkende Auslandsbestellungen – sogar in der Vorzeigebranche
Maschinenbau!
Angesichts der düsteren Rahmenbedingungen bei den wichtigsten
Handelspartnerländern ist dies allerdings kein Wunder. Grossbritannien,
als grösstes Abnehmerland für Exportgüter aus der Eurozone, befindet sich
auf direktem Weg in eine Rezession. In Osteuropa stellt sich die Lage zwar
nicht ganz so dramatisch dar, gleichwohl hat die Konjunkturdynamik auch
dort unübersehbar nachgelassen. Die US-Wirtschaft konnte nur durch das
Soforthilfeprogramm der Regierung knapp über der Wasserlinie gehalten
werden – im zweiten Halbjahr dürfte die stützende Wirkung aber
nachlassen, so dass mit einer neuen Welle an negativen
Konjunkturüberraschungen zu rechnen ist.
Damit ruhen die Hoffnungen auf den dynamisch wachsenden
Schwellenländern. Aber selbst hier deutet alles auf ein nachlassendes
Expansionstempo hin. Dies gilt vor allem für China: Der chinesische
Einkaufsmanagerindex ist im Sommer auf einen dreijährigen Tiefststand
gesunken – wobei das Abwärtsmomentum zuletzt ähnlich stark ausgeprägt
war wie in den EUR-Unternehmensumfragen. Das gleiche Bild präsentiert
sich in anderen Südostasiatischen Staaten (Vietnam, Taiwan, Indonesien).
Insofern haben wir es mittlerweile mit einem synchronen Abschwung der
gesamten Weltwirtschaft zu tun.
Vor diesem Hintergrund ist das Risiko in der Tat gross, dass die Eurozone
– als extrem exportabhängige Wirtschaftsregion – in eine Rezession
abdriftet. Dies gilt umso mehr, als unsere Frühindikatoren frühestens für
das zweite Halbjahr 2009 (!) eine allmähliche Revitalisierung der
konjunkturellen Kräfte in Aussicht stellen. Im Zuge der sinkenden
Kapazitätsauslastung dürfte sich der zyklisch bedingte Preisdruck in den
kommenden Quartalen spürbar zurückbilden und damit die EZB unter
Druck bringen, von ihrer straffen geldpolitischen Ausrichtung abzurücken.
Für die Rentenmärkte sind das klar positive Perspektiven. Wir rechnen mit
nachhaltig tieferen Renditen!
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