Optimistische Konjunkturerwartungen an den
Finanzmärkten – ein Auslaufmodell!
Die Investoren an den europäischen Finanzmärkten setzen derzeit auf ein
extrem optimistisches Szenario: Gestützt auf eine robuste Weltwirtschaft
sollen die Unternehmensgewinne auch künftig reichlich sprudeln und auf
diese Weise für anhaltend feste Aktienmärkte sorgen. Die Kehrseite dieser
Entwicklung bekommen die Rentenmärkte zu spüren: Hier werden
Renditeanstiege bei längeren Laufzeiten bis auf 4,25% oder sogar 4,50%
erwartet.
Der Kursverlauf der letzten Wochen gibt den Verfechtern dieser These
bislang unumwunden Recht. Die Aktienmärkte konnten den Rücksetzer
von Ende Februar problemlos wegstecken, die Kurse haben mittlerweile
sogar neue sechsjährige Höchststände erreicht. Gleichzeitig sind die
Anleihenrenditen deutlich gestiegen und damit so hoch wie seit Anfang
2002 nicht mehr.
Diese Bilanz sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die
Rahmenbedingungen zuletzt verschlechtert haben. Zwar sind die
wirtschaftlichen Nachrichten aus Deutschland nach wie vor von
beeindruckender Stärke. In den übrigen Mitgliedsstaaten des Euroraums
sowie der Weltwirtschaft insgesamt haben sich die Vorzeichen hingegen
längst umgekehrt. Am besten lässt sich dies an den Einkaufsmanagerindices
(EMI) ablesen, die einen tiefgehenden Einblick in die Verfassung des
Unternehmenssektors gewähren und einen Vorlauf vor der realwirtschaftlichen
Entwicklung von ca. zwei Monaten aufweisen. Im März sind die europäischen EMIs sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im
Dienstleistungssektor zum wiederholten Mal gesunken und lassen ihre
zyklischen Höchststände vom Juni des Jahres 2006 immer weiter hinter sich.
Damit zeichnen die Stimmungsbarometer die Vorgaben ihrer
US-amerikanischen und japanischen Pendants präzise nach, die sich
gleichfalls in ausgeprägten Abwärtstrends befinden – von der vielfach
propagierten »Abkopplung« kann somit keine Rede sein. Hinter diesem
weltweiten Trend stehen im Übrigen gemeinsame Ursachen: Auf der einen
Seite steigen die Preise für Rohstoffe, Vorprodukte und Komponenten mit
zweistelligen Raten, auf der anderen Seite ist das Neugeschäft nicht in der
Lage, die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen, was sich in einer
Erosion der Margen widerspiegelt.
In den USA mussten die Unternehmen ihre Gewinnprognosen vor diesem
Hintergrund mehrfach nach unten revidieren, was bereits unübersehbare
Spuren in den Investitionsplänen hinterlassen hat. Aber auch in Asien
laufen die Geschäfte nicht mehr so gut wie noch im letzten Jahr. Das
enorme Wachstum des Investitionsgütersektors sorgt dort zwar nach wie
vor für Superlative in den Wirtschaftsstatistiken, erzeugt aber auch massive
Überkapazitäten. In immer kürzeren Abständen verkündet daher die
chinesische Regierung Massnahmen zur Eindämmung der Auswüchse. Die
Zeiten, in denen einzig der US-Immobilienmarkt als Sinnbild einer
konjunkturellen Bedrohung für die Weltwirtschaft herhalten musste, sind
demnach vorüber.
Der Euroraum, der über 40% seiner Wertschöpfung exportiert, ist alles
andere als immun gegenüber einer schwächeren Weltwirtschaft. Das
ausgesprochen zuversichtliche Weltbild der Investoren steht damit vor
einem grundlegenden Wandel. Die Goldgräberstimmung der letzten
Monate wird verfliegen, die Gefahren eines konjunkturellen Rückschlags
rücken stärker in den Vordergrund. Insofern dürfte das kurzzeitige
Anschwellen der globalen Risikoaversion im Februar dieses Jahres nur ein
Vorbeben gewesen sein, die eigentlichen Eruptionen stehen noch aus. Für
die Rentenmärkte sind das positive Aussichten!
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