Die konjunkturelle Abkühlung im Euroraum ist keine Prognose – sondern Realität!

Der Abwärtstrend an den europäischen Rentenmärkten stellt nicht nur das Sentiment von Investoren auf eine harte Probe; auch das quantitative Gesamtbild hat sich mittlerweile deutlich verschlechtert. So durchbrachen die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen in der vergangenen Woche die psychologisch und markttechnisch wichtige 4,00%-Marke – der seit 1990 (!) bestehende Abwärtstrend in den Kapitalmarktrenditen ist damit aus technischer Sicht beendet. Einer Fortsetzung des Ausverkaufs steht von dieser Seite somit nichts entgegen, Anleihepessimisten erwarten vor diesem Hintergrund einen Renditeanstieg auf mindestens 4,55%.

Hintergrund der Weltuntergangsstimmung an den europäischen Anleihenmärkten ist die hohe und tendenziell sogar weiter zunehmende konjunkturelle Zuversicht. Während die jüngsten Konsensumfragen zur weltwirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2007 überwiegend von Abwärtsrevisionen geprägt waren, korrigierten die Befragten ihre Prognosen für den Euroraum zuletzt wiederholt nach oben. Ausschlaggebend hierfür ist die robuste Verfassung der deutschen Wirtschaft, die im abgelaufenen Jahr ihre beste Wachstumsbilanz seit 2000 vorlegen konnte. Nach herrschender Auffassung wird sich dieser positive Trend 2007 fortsetzen, mit allenfalls leicht verringertem Tempo. Von »echten« Risiken im Konjunkturausblick ist mittlerweile kaum noch die Rede – ein grosser Irrtum, denn der Abwärtstrend hat längst begonnen!

Während sich die deutsche Wirtschaft im Vorfeld der MwSt-Erhöhung weitgehend vom übergeordneten makroökonomischen Umfeld abkoppeln konnte, hat der konjunkturelle Gegenwind im übrigen Euroraum erheblich zugenommen. Treibende Kraft sind dabei die strafferen monetären Rahmenbedingungen, die in den bislang boomenden Immobilienmärkten Frankreichs und Spaniens deutliche Bremsspuren hinterlassen. Die Zuwachsraten bei den Baugenehmigungen sind seit einigen Monaten stark rückläufig, die Leerstandsraten wachsen zweistellig und die Preissteigerung neugebauter Häuser ist auf einem fünfjährigen Tiefststand angelangt. Nach Massgabe der Frühindikatoren (Hypothekenzinsen, Baukreditanträge) wird sich dieser Trend das gesamte Jahr 2007 fortsetzen! Damit ist auch auf europäischer Ebene eine nachhaltige Entspannung des bis zuletzt kräftigen Kreditwachstums vorgezeichnet.

Damit aber nicht genug, in Frankreich beschränken sich die Schwächesignale nicht nur auf den Immobilienmarkt, der gesamte Industriesektor – allen voran die Automobil- und Investitionsgüterhersteller – beklagen eine deutlich rückläufige Auftragslage. Das gleiche Bild zeigt sich im Übrigen auch in Deutschland: Die Kapitalgüterbestellungen steigen zwar noch, die Zuwachsraten sind jedoch von über 20% im Frühjahr 2006 auf mittlerweile 0,5% eingebrochen. Damit bestätigt sich eindrücklich die Ankündigung unseres »BB-Leading New Orders Index«, der bereits seit Monaten vor einer stagnierenden Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe warnt.

Die konjunkturelle Abkühlung im Euroraum ist folglich keine Prognose, sondern Realität! Die Rentenmärkte werden die optimistischen Wachstumserwartungen indes erst dann auspreisen, wenn sich die Stimmungsdaten für die deutsche Wirtschaft verschlechtern – womit nach unseren Prognosen noch im Januar zu rechnen ist. Spätestens dann wird sich nach unserer Einschätzung auch die technische Rentenmarktverfassung wieder aufhellen. Unser Fazit lautet daher: Die Ertragsperspektiven europäischer Staatsanleihen sind positiv, die Renditen werden mittelfristig deutlich sinken!

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