Die Inflation ist zurück und macht dabei einen ausserordentlich lebhaften Eindruck –
das zeigen die jüngsten Zahlen zur Entwicklung der EUR-Verbraucherpreise. Danach
ist die Teuerung binnen drei Monaten von 1,7% (August) auf 3,1% (November) in die
Höhe geschnellt, womit der bisherige »Rekord« vom Mai 2001 eingestellt wurde. Wenn
es eines Existenzbeweises für die von einigen EZB-Vertretern prononciert vorgetragenen
Inflationsrisiken bedurft hätte, dann sollte er hiermit erbracht sein. Zumindest
scheinen das die Investoren an den Rentenmärkte so zu sehen, die in den letzten
Wochen die Inflationsprämie (gemessen an der relativen Wertentwicklung inflationsindexierter
Anleihen) um 15 Bp bis 20 Bp nach oben geschraubt haben.
Wir glauben allerdings nicht, dass die Rückkehr der »Inflationsangst« von Dauer sein
wird – nach unserer Überzeugung dürfte es sich vielmehr um ein kurzes Gastspiel
handeln. Denn es sind vor allem drei Faktoren, die für den jüngsten Teuerungsschub
verantwortlich zeichnen. Erstens die Energiepreise, die im Herbst regelmässig kräftig
anziehen; da dieser Anstieg wegen der extrem warmen Witterung 2006 ausgesprochen
gering ausfiel, schlägt die jüngste Preisrunde umso deutlicher auf die Inflationsrate
durch. Diese Entwicklung war seit langem absehbar und ist daher alles andere als eine
Überraschung. Bereits ab Januar 2008 kehren sich diese Basiseffekte um und leiten
damit ein natürliches Abschmelzen der Preissteigerungsrate ein.
Der zweite massgebliche Belastungsfaktor sind die Nahrungsmittelpreise, vor allem
Milch- und Getreideprodukte, die sich seit August um mehr als 25% verteuerten.
Hierin schlagen sich sowohl die wachsende Nachfrage in Asien als auch die
wetterbedingte Produktionsverknappung in den zentralen Erzeugerländern nieder. Mit
den USA und der EU haben die beiden wichtigsten Anbauregionen jedoch bereits
umfassende Massnahmenpakte beschlossen (u.a. Vergrösserung der Anbauflächen), die
ab Sommer 2008, wenn die nächste Erntesaison ihren Höhepunkt erreicht, für eine
spürbare Entlastung sorgen sollten.
Drittens darf nicht vergessen werden, dass Deutschland 2007 eine Anhebung der
Mehrwertsteuer um 3%-Punkte zu verdauen hatte, was die Preise in Deutschland um
mehr als 1,0%-Punkte und in der Eurozone um 0,3%-Punkte nach oben getrieben hat.
Hinzu kommt die Anhebung der Studiengebühren die gleichfalls für einen messbaren
Anstieg der Inflationsrate verantwortlich ist – der »Staat« ist damit unverändert der
Dauerbrenner unter den Preistreibern.
Dagegen ist der zyklische Teuerungsdruck nach wie vor moderat. Die Kerninflationsrate
(ohne Energie sowie Nahrungs- und Genussmittel) befindet sich mit 1,9%
im Einklang mit den Stabilitätsvorgaben der EZB – auch dank der massiven Euroaufwertung.
Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung des nachlassenden
Wachstumstempos sowie der unverändert schwachen Lohnsteigerungen in der
Eurozone wird auch die »Headline«-Inflationsrate in den nächsten Quartalen wieder
unter die 2,0%-Schwelle zurückkehren.
Alles in allem sehen wir in den jüngsten Inflationszahlen keinen Grund zur Besorgnis.
Ungleich grösser sind nach unserem Dafürhalten die konjunkturellen Risiken, die im
Zuge der anhaltend straffen Finanzierungskonditionen immer brisanter werden. Noch
richten die EZB-Vertreter ihr Hauptaugenmerk auf die Preisentwicklung – das wird
sich 2008 jedoch grundlegend ändern. Wir halten daher an unserer Prognose fest,
wonach die Leitzinsen sinken und die Anleihenmärkte deutliche Kursgewinne
verzeichnen werden!
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