Die Krise an den Finanzmärkten erreicht eine neue Dimension

Die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten erreichte in den vergangenen Tagen eine neue Dimension. Neben Geldmarktfonds, Hedgefonds und Kreditinstituten sind mittlerweile auch namhafte Versicherer von den Turbulenzen betroffen. Und es ist kaum damit zu rechnen, dass sich die gesamte Tragweite der von den Subprime- Engagements ausgehenden Risiken in naher Zukunft absehen lässt – w eitere »Überraschungen« dürften daher unvermeidlich sein.

Die Reaktion der Investoren auf die jüngsten Schreckensmeldungen hätte deutlicher nicht ausfallen können. Liquidität wird im grossen Stil gehortet bzw. in sicheren Bundes- bzw. Staatsanleihen geparkt. Jüngstes Opfer dieser Flucht in die Sicherheit ist der Jumbopfandbriefmarkt, der in der vergangenen Woche förmlich zusammenbrach – zum zweiten Mal seit September musste das Market Making wegen fehlender Liquidität offiziell eingestellt w erden.

Gleichzeitig schnellten im Interbanken-Geldhandel die Euriborsätze nach oben und die Risikoaufschläge für Anleihenkategorien unterhalb Aaa-gerateter deutscher Staatsanleihen erreichten neue mehrjährige Höchststände – mit 72 Bp übersteigt der 2-jährige Swapspread sein vormaliges High aus dem Jahr 2000 fast um das D oppelte!

Aus konjunktureller Sicht entsteht hierdurch immenser Schaden. Nicht nur, dass die Hürde für die Rentabilität von Investitionsprojekten immer weiter nach oben wandert. Auch die für einen reibungslosen Betriebs- und Produktionsablauf notwendige Vorund Zwischenfinanzierung (z.B. Vormaterialbestellungen, Transport und Logistik) wird durch die Verschärfung der Kreditvergabestandards massiv verteuert und schlägt sich entsprechend in rückläufigen Gewinnmargen nieder.

Als weiterer Belastungsfaktor kommt die Euro-Aufwertung hinzu, die ebenfalls – mindestens teilweise – als Begleiterscheinung der Vertrauenskrise an den Finanzmärkten anzusehen ist. Am vergangenen Freitag verfehlte der Euro die Marke von 1,50 USD nur knapp, so teuer war die Gemeinschaftswährung noch nie. Das öffentliche Wehklagen des Airbus-Vorstandes über die bedrohlichen Folgen für die Ertragslage dürfte beispielhaft für viele exportorientierte Branchen sein.

Es ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, dass die Unternehmen angesichts des raueren konjunkturellen Gegenwindes immer skeptischer in die Zukunft blicken. Wie die deutlich rückläufigen Beschäftigungseinschätzungen im Rahmen der Einkaufsmanagerumfragen zeigen, gerät damit auch der langjährige A ufwärtstrend an den europäischen Arbeitsmärkten ins Wanken.

Nach unserer Überzeugung wird die Europäische Zentralbank ihre nach wie vor optimistische Einschätzung zu den Wachstumsaussichten der Eurozone eher früher als später revidieren müssen. Trotz der vorübergehend zu hohen Inflation werden die Finanzmärkte dies zum Anlass nehmen und eine präventive Lockerung der monetären Rahmenbedingungen ins Auge fassen. Aus Sicht der EUR-Staatsanleihenmärkte bleibt das mittelfristige fundamentale Umfeld damit positiv. Das gleiche gilt für das übergeordnete markttechnische Bild, das sich mit dem Bruch des renditeseitigen Aufwärtstrends bei lang laufenden Bundesanleihen erst kürzlich nachhaltig verbessert hat. Wir erwarten daher – ungeachtet einer potentiellen zwischenzeitlichen Korrektur – für die nächsten Wochen weitere Renditerückgänge!

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