Eurozone ist auf dem Weg in die Rezession

»Gut« war die Stimmung gestern, heute bewegt sich die Eurozone mit grossen Schritten in Richtung Rezession – einen anderen Schluss lassen die jüngsten Geschäftsklima- und Verbrauchervertrauensumfragen, die im Auftrag der EU-Kommission in der gesamten Währungsunion durchgeführt werden, nicht zu.

Besonders hart traf es dabei zuletzt die Konsumenten. Der Verbrauchervertrauensindex verzeichnete im Juli seinen 12. Rückgang in ununterbrochener Folge, einen derartigen Absturz hat es in dieser bis 1986 zurückreichenden Erhebung noch nie gegeben. Auch das Ausmass der Stimmungsverschlechterung ist besorgniserregend – der bis Mitte 2007 vorherrschende Optimismus ist in pure Angst umgeschlagen.

Mittlerweile sind es nicht mehr »nur« die kräftig steigenden Lebenshaltungskosten, die auf die Stimmung drücken. Die Verbraucher spüren, dass sich die wirtschaftliche Grosswetterlage deutlich verschlechtert hat, was sich in einer steigenden Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes niederschlägt. Entsprechend werden die Pläne für Grossanschaffungen (Kfz, Haushaltsgeräte) zurückgestellt. Die ohnehin fragile Konsumdynamik in der Eurozone dürfte sich daher noch weiter abschwächen.

Auf Produzentenseite ist die rasante Stimmungsverschlechterung der Verbraucher deutlich zu spüren. Die Auftragslage ist in den vergangenen Monaten förmlich eingebrochen – der korrespondierende Teilindex der EU-Kommissionsumfrage fiel im Juli auf einen 3½-jährigen Tiefststand. Hinzu kommt, dass auch das Exportgeschäft immer kritischer bewertet wird. Der hohe Eurokurs und das nachlassende Wachstumstempo der Weltwirtschaft werden inzwischen als echte Bedrohung angesehen und nicht mehr mit dem Verweis auf den hohen Spezialisierungsrad der europäischen Industrie vom Tisch gewischt.

Und die Unternehmen beginnen, aus der Flaute Konsequenzen zu ziehen. Produktionsschichten werden gestrichen, immer häufiger ist wegen der hohen Lagerbestände auch von ganzen Werksstilllegungen die Rede. Die Investitionen in neue Maschinen und Anlagen – in den vergangenen Jahren neben dem Export der Wachstumsmotor der Eurozone – dürften vor diesem Hintergrund deutlich zusammengestrichen werden.

Darüber hinaus werden die Beschäftigungserwartungen massiv nach unten korrigiert. Insofern zeigt sich, dass die Ängste der Arbeitnehmer hier durchaus gerechtfertigt sind. Zumal die Wende am Arbeitsmarkt bereits eingetreten ist – der seit Anfang 2005 bestehende Abwärtstrend in der Arbeitslosenquote (von 9,0% im März 2005 auf 7,2% im Dezember 2007) ist unübersehbar beendet. Im Mai ist die Quote erstmals gestiegen und wir gehen davon aus, dass sich in den nächsten Quartalen ein Aufwärtstrend entwickelt, der seinerseits negativ auf die Verbraucherstimmung und damit den Konsum durchschlagen wird.

Kurzum: Das Risiko einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale ist nach den jüngsten Umfragen deutlich gestiegen. Mit einer Besserung der Lage ist laut unseren Frühindikatoren nicht vor Mitte nächsten Jahres zu rechnen. Gemessen an diesem Ausblick ist das an den Rentenmärkten eskomptierte Konjunkturszenario viel zu optimistisch. Die Kapitalmarktrenditen werden daher in den kommenden Quartalen nachhaltig sinken!

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