Die deutsche Wirtschaft im Höhenflug – und vor einer harten Landung!

Deutschland boomt. Wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in der vergangenen Woche bekannt gab, ist die Anschaffungsneigung der Verbraucher so ausgeprägt wie seit 1991 nicht mehr. Ähnlich euphorisch äusserten sich die Unternehmen im Rahmen der jüngsten IFO-Umfrage. Danach ist die aktuelle Geschäftsentwicklung so positiv wie zuletzt vor 15½ Jahren.

Unter Konjunkturoptimisten macht sich bereits die Einschätzung breit, die Warnsignale des ZEW-Index oder der weltwirtschaftlichen Frühindikatoren der OECD seien überzogen. Hohe Unternehmensgewinne und die anhaltende Belebung am Arbeitsmarkt würden die Grundlage für starke Investitionen und kräftigen Konsum schaffen – die Auswirkungen der Anfang 2007 in Kraft tretenden Mehrwertsteuererhöhung sollten daher nicht überbewertet werden.

Wunschdenken! So hervorragend die Perspektiven bis zum Jahresende sind – der konjunkturelle Gipfel ist durchschritten, daran ändert auch das gegenwärtig immer noch hohe Wirtschaftswachstum nichts. So rechnen die gleichen Verbraucher, die sich zuletzt so kaufwillig gaben, im Jahr 2007 mit deutlichen Einkommenseinbussen – die Erwartungskomponente der GfK-Umfrage ist sogar auf ihren tiefsten Stand seit Dezember letzten Jahres gesunken. Offenbar ahnen die Konsumenten, dass die Zusatzbelastungen durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer, steigende Krankenkassenbeiträge und die Abschaffung von Steuervergünstigungen nicht im Entferntesten von der Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung kompensierten werden können.

Auslöser der hohen Kaufbereitschaft ist somit nicht die Erwartung wachsender verfügbarer Einkommen oder die Empfindung einer gestiegenen Arbeitsplatzsicherheit, sondern primär die Ausweichreaktion, Anschaffungen im grossen Stil auf das laufende Jahr vorzuverlegen.

Wie die Zukunftskomponente der IFO-Umfrage zeigt, sind sich die Unternehmen dieser Tatsache bewusst und schrauben ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen für das nächste Jahr stetig nach unten. Die höhere Nachfrage des laufenden Jahres dürfte deshalb in zunehmendem Masse aus den Lagerbeständen bedient werden, was zu Lasten der Produktion und damit nicht zuletzt der Beschäftigung geht.

Neben der Inlandsnachfrage macht den Betrieben aber auch die abflauende Konjunkturdynamik im Ausland zu schaffen. In den USA, Japan, China und im gesamten südostasiatischen Raum befinden sich die Stimmungsbarometer im synchronen Sinkflug. Nach Massgabe unserer Frühindikatoren wird sich dieser Trend bis weit in die zweite Jahreshälfte 2007 fortsetzen. Folglich steht die deutsche Wirtschaft nicht nur vor einer temporären Wachstumsdelle, sondern am Beginn eines nachhaltigen Abschwungs!

Während die konjunkturellen Risiken stetig zunehmen, hält sich der Inflationsdruck weiterhin in Grenzen. Trotz der überdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung, teurer Rohstoffe und des Liquiditätsüberhangs lagen die deutschen Lebenshaltungskosten im September nur um 1,0% über dem Vorjahresniveau – ein 2½-jähriger Tiefststand!

Nachlassendes Wirtschaftswachstum und rückläufiger Inflationsdruck – das fundamentale Umfeld für die europäischen Rentenmärkte ist somit klar positiv. Auch wenn nach der Rallye der letzten Wochen ein temporärer Rücksetzer nicht auszuschliessen ist, erwarten wir mittelfristig deutlich höhere Anleihenkurse.

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