Weltweit nimmt der Konjunkturabschwung
an Fahrt auf
Nach langem Tauziehen stimmte der US-Kongress am vergangenen Freitag dem über 700 Mrd. USD schweren staatlichen Rettungspakt für die Finanzmärkte zu. Um die Wichtigkeit des Vorhabens zu unterstreichen, hat Präsident Bush das neue Gesetz nur wenige Stunden später unterschrieben und in Kraft gesetzt. Ist damit der Höhepunkt der Finanzkrise endlich durchschritten? Kündigt sich gleichzeitig ein Ende der Probleme der US-Wirtschaft und des weltweiten Finanzsystems an?
Die Reaktion der Aktienmärkte spricht Bände – die Kurse gaben im Anschluss an die Verabschiedung des Gesetzes merklich nach und spiegeln damit eine erhebliche Portion Skepsis wider. Die wichtigsten Indices in den USA beendeten die vergangene Woche sogar mit den grössten Verlusten der letzten sieben Jahre.
Das Misstrauen der Märkte ist zu verstehen, wenn der Blick von den akuten Liquiditätsproblemen am Interbankenmarkt – die vom Rettungspaket (hoffentlich) gemildert werden – zu einer Gesamtschau der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wechselt. Hier gab es in den letzten Tagen und Wochen eine ganze Reihe von Hiobsbotschaften, die auf eine
Verschärfung des weltweiten konjunkturellen Abwärtstrends hindeuten. Angefangen in den USA zeigt sich dort der Arbeitsmarkt von Monat zu Monat in schlechterer Verfassung; mit -159.000 Arbeitsplätzen wurde im September der stärkste Stellenabbau seit fünf Jahren verzeichnet. Die Zahl der US-Bürger, die aufgrund des Wirtschaftsabschwungs keine Vollzeitstelle mehr finden, sondern nur noch eine Teilzeitbeschäftigung, ist auf den höchsten Stand seit 14 Jahren geklettert. Gleichzeitig ist der wichtige landesweite ISM-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes auf Rezessionsniveau eingebrochen und kündigt als verlässlicher Frühindikator damit eine Fortsetzung der Talfahrt an.
Aber nicht nur in den USA spitzt sich die Lage zu. In nahezu allen Wirtschaftsnationen der Welt gaben die Konjunkturbarometer in den letzten Monaten merklich nach: Ob in Grossbritannien, Russland, Japan, Brasilien, der Eurozone oder China – mittlerweile hat überall der Wachstumstrend markant nach unten gedreht. Es bahnt sich offensichtlich eine weltweit synchrone Abschwungsdynamik ihren Weg, die von den krisenhaften Verwerfungen an den Finanzmärkten zusätzlich angeheizt werden dürfte.
Für die Wirtschaft der Eurozone stellt sich die Lage damit zunehmend bedenklich dar – selbst wenn die Geldmärkte wieder langsam zum Funktionieren gebracht werden sollten. Zum einen verdüstern sich für die besonders exportabhängigen Länder der Währungsunion die Aussenhandelsperspektiven nachhaltig. Zum anderen wird die Binnenkonjunktur durch die auf lange Zeit gedämpfte Kreditvergabepraxis der Banken belastet. Hinzu kommen die »hausgemachten« Probleme durch das Platzen der Immobilienblasen in Spanien, Irland, Frankreich, Belgien und Griechenland. Vor diesem Hintergrund kann die Schlussfolgerung nur
lauten: Die Eurozone ist gerade dabei in eine Rezession abzurutschen. In den nächsten Monaten dürfte sich dieses Szenario durch negative Überraschungen von Seiten der Konjunkturdaten zunehmend bestätigen – gute Aussichten für die Rentenmärkte.
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