2007 – Das Jahr der Ernüchterung

Die konjunkturelle Euphorie im Euroraum kennt keine Grenzen mehr. Nicht nur, dass die Wachstumserwartungen für das Jahr 2007 zuletzt auf breiter Front nach oben korrigiert wurden. Eine immer grössere Zahl von Prognosen sieht mittlerweile auch für 2008 eine Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs – mit Expansionsraten oberhalb des inflationsfreien Potentials.

Während der Optimismus an den Finanzmärkten in vollster Blüte steht, setzt in der Realwirtschaft allmählich Ernüchterung ein. So verzeichnete das Verbrauchervertrauen in Deutschland laut GfK-Umfrage im Januar einen heftigen Einbruch, der vor allem auf die abstürzende Anschaffungsneigung zurückzuführen ist. Obschon die chronisch revisionsanfällige Einzelhandelsstatistik bislang kaum Vorzieheffekte der MwSt-Erhöhung erkennen lässt, zeigen sowohl die Konsumbarometer als auch die kräftig gestiegenen Produktionszahlen langlebiger Gebrauchsgüter, dass umfangreich Käufe in das Jahr 2006 vorgezogen wurden. Damit entsteht 2007 eine »Nachfragelücke«, die deutliche Spuren in der Umsatzentwicklung der Unternehmen hinterlassen wird.

In diese Richtung weisen auch die Ergebnisse des jüngsten IFOKonjunkturtests. Danach erlebte die Bewertung der aktuellen Geschäftslage ihren grössten Rückgang seit September 2001! Betroffen waren sämtliche Branchen, wobei die Eintrübung in der Industrie und im Grosshandel am stärksten ausfiel – hier wurden auch die Geschäftserwartungen nach unten geschraubt. Im Bau und Einzelhandel hielt sich das Minus in der Gesamtbeurteilung vor allem wegen der extrem günstigen Witterungsbedingungen noch in Grenzen.

In Verbindung mit der absehbaren Zurückhaltung der Verbraucher zeichnet das sinkende Geschäftsklima eine merkliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Deutschland vor, das den ohnehin bestehenden Abwärtstrend in den übrigen Mitgliedsstaaten noch verstärken dürfte.

Neben Belgien, den Niederlanden und Frankreich hat sich im Januar auch in Italien das Konjunkturklima spürbar verschlechtert. Treibender Faktor ist dabei die auf breiter Front nachlassende Auftragsdynamik – in Italien sind die Bestellungen aus dem Ausland so stark eingebrochen wie zuletzt im Sommer 2002!

Wir sehen in dieser Entwicklung zum einen den Reflex der schwächeren Nachfrage aus Deutschland, zum anderen kündigen unsere Frühindikatoren aber auch für das Geschäft in Fernost eine erhebliche Abkühlung an. »Der BB-Asian Leading Indicator«, der dem konjunkturellen Trend der bedeutendsten asiatischen Volkswirtschaften um 6 Monate vorauseilt, ist im Januar zum ersten Mal seit 14 Monaten in negatives Terrain abgetaucht – entsprechend ungünstig sind die Exportperspektiven europäischer Unternehmen zu werten.

Fazit: Mit dem Wegfall der Sondereffekte in Deutschland setzt sich der konjunkturelle Abwärtstrend im Euroraum mit beschleunigtem Tempo fort – das Wirtschaftswachstum wird unter die Potentialrate absinken. Die Euphorie der letzten Monate dürfte daher schon bald einer realistischeren Einschätzung der wirtschaftlichen Perspektiven weichen. In Anbetracht der ausgesprochen günstigen Entwicklung des Teuerungsumfeldes wird die an den Geldterminmärkten eskomptierte Leitzinsangst abnehmen, was den Weg für einen nachhaltigen Rückgang der Kapitalmarktrenditen freimacht. Das mittelfristige fundamentale Umfeld der europäischen Rentenmärkte ist somit positiv!

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