Das globale Konjunkturumfeld wird rauer
Das Wirtschaftswachstum der Eurozone war nach den vorläufigen
Berechnungen von EUROSTAT im 3. Quartal nicht nur ausgesprochen
kräftig (annualisiert 2,8%), es fiel auch deutlich stärker aus als im
Vorquartal (1,2%) und lag zudem über der langfristigen Potentialrate (ca.
2,25%). Ganz ähnlich stellt sich die Lage in den USA und Japan dar, die mit
3,9% (nach der ersten Revision dürften es 5,0% sein) bzw. 2,6% ebenfalls
überdurchschnittliche Ergebnisse vorlegen konnten.
Keine Spur von den vieldiskutierten Negativfolgen der Finanzmarktturbulenzen,
die seit Juli die Wirtschaftsnachrichten beherrschen. War die
ganze Aufregung umsonst? Ganz sicher nicht! So gut die Zahlen für das
abgelaufene Vierteljahr ausgefallen sind, die Vorzeichen für die nächsten
zwölf Monate sind denkbar ungünstig.
Aus europäischer Perspektive betrachtet droht dabei sowohl mit Blick auf
die Auslandsnachfrage als auch auf die Binnenkonjunktur heftiger
Gegenwind. So zeigen unsere Frühindikatoren, dass der Zwischenspurt in
den USA definitiv vorüber ist. Der massive Lageraufbau der
Sommermonate im Verbund mit den rasant gestiegenen Militärausgaben –
beides zusammen ist für mehr als 1,0%-Punkte Wachstum verantwortlich –
sind Sonderfaktoren, die sich in den kommenden Quartalen wieder
umkehren werden und entsprechend negativ zu Buche schlagen. Darüber
hinaus entwickeln sich nach Massgabe der jüngsten Unternehmensumfragen
die Ausgaben für Maschinen und Anlagen sowie für den
Gewerbebau deutlich weniger dynamisch als zuletzt. Und da gleichzeitig
bei den privaten Wohnbauinvestitionen kein Ende im Abwärtstrend zu
erkennen ist, dürfte selbst ein annähernd stabiler Konsum nicht verhindern
können, dass das US-Wachstum in die Region zwischen 1,0% und 2,0%
zurückfallen wird.
In Anbetracht der eng vernetzten Produktionsketten ist es mithin kaum
verwunderlich, dass sich diese Abschwächung in den asiatischen
Zuliefererstaaten – vor allem Taiwan und Südkorea – bereits in den weiter
vorauslaufenden Frühindikatoren widerspiegelt: Die vormaligen Aufwärtstrends
verlieren an Schwung oder aber haben bereits nach unten gedreht. Besonders düster stellen sich die Perspektiven allerdings in Japan
dar. Das Verbrauchervertrauen und das Geschäftsklima werden so schlecht
bewertet wie seit 3½ Jahren nicht mehr; das aggregierte Konjunkturbarometer,
das die OECD für Japan berechnet, ist sogar an einem
10-jährigen Tiefststand angelangt.
Fazit: Die Erinnerung an die robusten Wachstumszahlen des 3. Quartals
sollte schon bald verblasst sein. Gleichzeitig dürften die Sorgen über die
wirtschaftlichen Aussichten des Jahres 2008 zunehmen. Die Rentenmärkte
haben diese Entwicklung erst zum Teil eskomptiert, die Renditen werden
daher in den nächsten Monaten weiter sinken!
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