Die Euphorie über die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus der deutschen
Wirtschaft kennt keine Grenzen. Von einer »Trendwende« ist die Rede,
endlich sei die Lethargie beendet, der Aufschwung am Arbeitsmarkt
angekommen. Hintergrund ist der anhaltende Rückgang in der
Erwerbslosenzahl, die im Juli um beeindruckende 443.000 unter dem
Vorjahresmonat lag. Die Arbeitslosenquote ist mit 10,6% so »niedrig« wie
seit zwei Jahren nicht mehr. Beinahe noch wichtiger ist, dass die Zahl der
Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr um 260.000 zugenommen hat – die
beste Bilanz seit über fünf Jahren!
Bei aller Freude: Von einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsmarktlage
auszugehen, ist eine Illusion! So sind die Daten durch die
umfassenden Veränderungen im Zähl- und Abgrenzungsverfahren der
Bundesagentur für Arbeit stark verzerrt, was z.B. die Saisonbereinigung
erheblich erschwert. Hinzu kommen der »WM-Effekt« und die massive
Zunahme von 1-Euro- und Minijobs, die den Trend bei den Beschäftigten
stark überzeichnen. Unter Berücksichtigung sämtlicher Sonderfaktoren
dürfte die »echte« Beschäftigtenzahl nur unwesentlich über dem Vorjahr
liegen – alles andere als eine beeindruckende Bilanz!
Ausserdem ist zu beachten, dass der Arbeitsmarkt dem allgemeinen
Konjunkturverlauf um drei bis sechs Monate hinterherhinkt. Die positive
Tendenz der letzten Monate liesse sich somit nur dann als »Trendwende«
feiern, wenn auch die Wachstumsperspektiven günstig wären, wovon
jedoch auf mittlere Sicht keine Rede sein kann.
Im Gegenteil, die Befunde für eine spürbare Verlangsamung des
Wirtschaftswachstums haben sich bis zuletzt weiter verdichtet. Hervorzuheben
ist in diesem Zusammenhang die Eintrübung des Sentiments im
Dienstleistungssektor, der besonders eng mit der Binnenkonjunktur und
damit der Entwicklung am Arbeitsmarkt verbunden ist. Danach dürfte die
Beschäftigungsdynamik bereits ab Herbst dieses Jahres wieder nachlassen.
Anfang 2007, wenn sich die privaten Haushalte wegen der höheren Steuer-
und Abgabenbelastung mit Anschaffungen spürbar zurückhalten, droht im
Gross- und Einzelhandel sogar eine neue Entlassungswelle.
Damit nicht genug, auch das internationale Umfeld hat sich zuletzt spürbar
verschlechtert, was sich in den nächsten Monaten im verarbeitenden
Gewerbe bemerkbar machen wird. Zwar hat der korrespondierende
Einkaufsmanagerindex im Juli nur leicht nachgegeben und bleibt damit
vorerst auf solidem Expansionskurs. Unser »BB-Leading New Orders
Index«, der die Auftragslage in den besonders konjunktursensiblen
Branchen aggregiert, hat zuletzt jedoch massiv an Boden verloren.
Die Konjunktur gerät damit von allen Seiten unter Druck. Die
Auslandsnachfrage verliert an Dynamik, die Binnenwirtschaft bleibt fragil
und gleichzeitig sorgt die Europäische Zentralbank mit höheren Leitzinsen
für eine Verschlechterung der Finanzierungskonditionen. Nach unseren
Frühindikatoren besteht daher kein Zweifel: Deutschland, wie auch der
Euroraum insgesamt, stehen vor einer gravierenden Verlangsamung der
Expansionsdynamik.
EUR- Staatsanleihen werden von diesem Umfeld profitieren. Wir sehen
zwar bei Kurzläufern wegen der anhaltenden monetären Straffungen ein
latentes Rückschlagsrisiko. Mittlere und längere Laufzeiten verfügen indes
über einen grossen Risikopuffer und bieten damit Potential für nachhaltig
sinkende Renditen!
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