Die US-Inflationsperspektiven beginnen sich aufzuhellen!

Dr. Andreas A. Busch
Fundamentale
Analyse

Für die Fed stehen immer noch die Inflationsrisiken im Vordergrund

In den zurückliegenden Wochen äusserten sich die Notenbankvertreter in den USA zunehmend kritisch zum Inflationsausblick. Die für die geldpolitische Ausrichtung wichtige Kerninflationsrate sei eindeutig zu hoch und es bestünden erhebliche Risiken, dass sie nicht wie erwartet in einen nachhaltigen Abwärtstrend einschwenken würde.

Wir halten diese Befürchtungen für übertrieben. Gerade die jüngsten Daten lassen vielmehr einhellig einen nachlassenden Aufwärtsdruck auf die Preise erkennen. So bewirken der 25%ige Rückgang der Erdölnotierungen sowie die fast 30%ige Verbilligung von Benzin innerhalb weniger Monate eine deutliche Kostenentlastung für die Unternehmen. Bei frachtintensiven Gütern und Transportdienstleistungen dürfte sich dies relativ schnell in entsprechenden Preisrückgängen auf Verbraucherebene niederschlagen.

Der Konjunkturabschwung führt indes zu einem nachlassenden Teuerungsdruck

Für die übergeordnete Preisdynamik ist es jedoch wichtiger, dass sich auch die Anzeichen für ein Abebben des konjunkturell bedingten Teuerungsdrucks mehren. So weist nicht nur die BIP-Statistik für das 2. Quartal mit 2,6% ein Wirtschaftswachstum aus, das unter der inflationsneutralen Potentialrate liegt. Auch die monatlichen Industrieproduktionsdaten lassen eine schwindende Wachstumsdynamik verbunden mit einem spürbaren Rückgang der Kapazitätsauslastung erkennen. Von dieser Seite deutet demnach alles auf kleiner werdende Preiserhöhungsspielräume hin, was sich mit einer Zeitverzögerung von mehreren Quartalen auch auf die Verbraucherpreisstatistik entlastend auswirken wird.

Abbildung 1: Der konjunkturelle Teuerungsdruck beginnt auszuklingen!

Quelle BLS, ISM, BANTLEON BANK AG

Dass es sich bei dieser Entwicklung nicht nur um vage Vorboten einer Aufhellung des Inflationsklimas handelt, belegen die aktuellen Unternehmensumfragen. So ist gemäss den Erhebungen des Institute for Supply Ma18. nagement (ISM) im verarbeitenden Gewerbe der Kostendruck bereits auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahren gesunken. Bei den übrigen Unternehmen hat der Preisdruck inzwischen einen dreijährigen Tiefststand erreicht (vgl. Abbildung 1). In die gleiche Richtung deutet die aktuelle Umfrage der National Federation of Independent Business (NFIB). Danach ist der Anteil der Unternehmen, die Preiserhöhungen planen, mittlerweile so gering wie seit Anfang 2004 nicht mehr (vgl. Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Preiserhöhungsspielraum der Unternehmen schwindet!

Quelle BLS, NFIB, BANTLEON BANK AG

Einzig die hohen und revisionsanfälligen Zuwachsraten bei den Lohnstückkosten können also als Beleg für zunehmende Teuerungsrisiken angesehen werden. Allerdings handelt es sich bei diesen Daten allenfalls um zur Inflation gleichlaufende Grössen. Anders als die Entwicklung der Kapazitätsauslastung und der Wachstumsdynamik lassen sie keine Schlussfolgerungen über die künftige Preisentwicklung zu, sondern spiegeln lediglich den aktuell relativ hohen Teuerungsdruck wider.

Darüber hinaus beginnen sich aber auch bei den Lohnkosten die Perspektiven aufzuhellen: Für die vergangenen Monate weist die Arbeitsmarktstatistik des BLS bereits einen nachlassenden Lohndruck aus, eine Tendenz, die sich im Zuge der aktuellen Wachstumsverlangsamung fortsetzen sollte (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Wachstum der Lohnstückkosten dürfte künftig nachlassen!

Quelle BANTLEON BANK AG

Fazit: Für die Kerninflationsrate kündigt sich bereits ein neuer Abwärtstrend an

Vor dem Hintergrund dieser Datenlage halten wir an unserer Prognose fest und rechnen mit einem Rückgang der Inflationsrate – gemessen am Kernindex der Verbraucherpreise – bis Ende 2007 von derzeit 2,9% auf 2,0%. Die kritischen Äusserungen der Notenbankvertreter werten wir lediglich als »Pflichtübung«, um im Zuge der jüngsten Kapitalmarktentwicklung die Glaubwürdigkeit der Fed als Inflationsbekämpfer zu unterstreichen. Eine ernst zu nehmende Ankündigung erneuter Zinserhöhungen sehen wir in den Warnungen nicht.

Wir bleiben daher bei unserer Einschätzung und gehen als Reaktion auf die nachlassende Konjunkturdynamik und das sich langsam eintrübende Arbeitsmarktumfeld von einer Rückführung der Fed-Funds-Rate im 1. Halbjahr nächsten Jahres auf 4,50% aus.

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