Für die Fed stehen immer noch die Inflationsrisiken
im Vordergrund
In den zurückliegenden Wochen äusserten
sich die Notenbankvertreter in den USA zunehmend
kritisch zum Inflationsausblick.
Die für die geldpolitische Ausrichtung wichtige
Kerninflationsrate sei eindeutig zu hoch
und es bestünden erhebliche Risiken, dass
sie nicht wie erwartet in einen nachhaltigen
Abwärtstrend einschwenken würde.
Wir halten diese Befürchtungen für übertrieben.
Gerade die jüngsten Daten lassen vielmehr
einhellig einen nachlassenden Aufwärtsdruck
auf die Preise erkennen. So bewirken
der 25%ige Rückgang der Erdölnotierungen
sowie die fast 30%ige Verbilligung
von Benzin innerhalb weniger Monate eine
deutliche Kostenentlastung für die Unternehmen.
Bei frachtintensiven Gütern und
Transportdienstleistungen dürfte sich dies
relativ schnell in entsprechenden Preisrückgängen
auf Verbraucherebene niederschlagen.
Der Konjunkturabschwung führt indes zu
einem nachlassenden Teuerungsdruck
Für die übergeordnete Preisdynamik ist es
jedoch wichtiger, dass sich auch die Anzeichen
für ein Abebben des konjunkturell bedingten
Teuerungsdrucks mehren. So weist
nicht nur die BIP-Statistik für das 2. Quartal
mit 2,6% ein Wirtschaftswachstum aus, das
unter der inflationsneutralen Potentialrate
liegt. Auch die monatlichen Industrieproduktionsdaten
lassen eine schwindende
Wachstumsdynamik verbunden mit einem
spürbaren Rückgang der Kapazitätsauslastung
erkennen. Von dieser Seite deutet demnach
alles auf kleiner werdende Preiserhöhungsspielräume
hin, was sich mit einer
Zeitverzögerung von mehreren Quartalen
auch auf die Verbraucherpreisstatistik entlastend
auswirken wird.
Abbildung 1: Der konjunkturelle Teuerungsdruck
beginnt auszuklingen!

Quelle BLS, ISM, BANTLEON BANK AG
Dass es sich bei dieser Entwicklung nicht
nur um vage Vorboten einer Aufhellung des
Inflationsklimas handelt, belegen die aktuellen
Unternehmensumfragen. So ist gemäss
den Erhebungen des Institute for Supply Ma18.
nagement (ISM) im verarbeitenden Gewerbe
der Kostendruck bereits auf den niedrigsten
Stand seit über einem Jahren gesunken. Bei
den übrigen Unternehmen hat der Preisdruck
inzwischen einen dreijährigen Tiefststand
erreicht (vgl. Abbildung 1). In die gleiche
Richtung deutet die aktuelle Umfrage
der National Federation of Independent Business
(NFIB). Danach ist der Anteil der Unternehmen,
die Preiserhöhungen planen, mittlerweile
so gering wie seit Anfang 2004 nicht
mehr (vgl. Abbildung 2).
Abbildung 2: Der Preiserhöhungsspielraum
der Unternehmen schwindet!

Quelle BLS, NFIB, BANTLEON BANK AG
Einzig die hohen und revisionsanfälligen
Zuwachsraten bei den Lohnstückkosten
können also als Beleg für zunehmende Teuerungsrisiken
angesehen werden. Allerdings
handelt es sich bei diesen Daten allenfalls
um zur Inflation gleichlaufende Grössen.
Anders als die Entwicklung der Kapazitätsauslastung
und der Wachstumsdynamik
lassen sie keine Schlussfolgerungen über die
künftige Preisentwicklung zu, sondern spiegeln
lediglich den aktuell relativ hohen Teuerungsdruck
wider.
Darüber hinaus beginnen sich aber auch bei
den Lohnkosten die Perspektiven aufzuhellen:
Für die vergangenen Monate weist die
Arbeitsmarktstatistik des BLS bereits einen
nachlassenden Lohndruck aus, eine Tendenz,
die sich im Zuge der aktuellen Wachstumsverlangsamung
fortsetzen sollte (vgl.
Abbildung 3).
Abbildung 3: Das Wachstum der Lohnstückkosten
dürfte künftig nachlassen!

Quelle BANTLEON BANK AG
Fazit: Für die Kerninflationsrate kündigt
sich bereits ein neuer Abwärtstrend an
Vor dem Hintergrund dieser Datenlage halten
wir an unserer Prognose fest und rechnen
mit einem Rückgang der Inflationsrate –
gemessen am Kernindex der Verbraucherpreise
– bis Ende 2007 von derzeit 2,9% auf
2,0%. Die kritischen Äusserungen der Notenbankvertreter
werten wir lediglich als
»Pflichtübung«, um im Zuge der jüngsten
Kapitalmarktentwicklung die Glaubwürdigkeit
der Fed als Inflationsbekämpfer zu unterstreichen.
Eine ernst zu nehmende Ankündigung
erneuter Zinserhöhungen sehen
wir in den Warnungen nicht.
Wir bleiben daher bei unserer Einschätzung
und gehen als Reaktion auf die nachlassende
Konjunkturdynamik und das sich langsam
eintrübende Arbeitsmarktumfeld von einer
Rückführung der Fed-Funds-Rate im
1. Halbjahr nächsten Jahres auf 4,50% aus.
Zum Download